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Bisher nur wenige Präparate für Kinder

Kinder und Jugendliche haben zunehmend Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die früher nur bei Erwachsenen Bedeutung hatten. Typisches Beispiel: Bluthochdruck. Grund genug für die ESH, auch auf die Hypertonie bei Kindern in neuen Leitlinien einzugehen.

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Kinder mit Hypertonie sind meist adipös. Viel Bewegung und Ernährungsumstellung reduzieren Gewicht und senken den Blutdruck.

Kinder mit Hypertonie sind meist adipös. Viel Bewegung und Ernährungsumstellung reduzieren Gewicht und senken den Blutdruck.

© Foto: moodboardwww.fotolia.de

Bluthochdruck kommt bei Kindern und Jugendlichen infolge zunehmenden Übergewichts in dieser Altersgruppe häufiger vor. Dies ist Anlass für die European Society of Hypertension (ESH), erstmals die Hypertonie bei Kindern in ihren neuen Leitlinien zu berücksichtigen. Diese sollen im Oktober erscheinen, wie beim Kongress angekündigt wurde.

Was ist überhaupt zu Hypertonie bei Kindern bekannt? Die Indikation zur antihypertensiven Therapie besteht, wenn der systolische Blutdruck dauerhaft oberhalb der 95. Perzentile für Körpergröße und Alter liegt, so Professor Wolfgang Rascher vom Uniklinikum Erlangen (J Hyperton 13, 2009, 17). Die Deutsche Hochdruckliga zieht die Grenze zum Hochdruck bei 125 / 80 mmHg für 12-Jährige, bei 135 / 85 mmHg für 16-Jährige und bei 140 / 90 mmHg für über 18-Jährige.

Da der Blutdruck meist nicht stark erhöht und die Ursache meist eine Adipositas ist, ist das primäre Ziel, den Blutdruck nicht medikamentös zu senken. Falls dies nicht genügt, sei zu bedenken, dass Blutdruck senkende Medikamente bis vor Kurzem nicht für Kinder zugelassen waren. Erst durch entsprechende Gesetzgebungsverfahren (EU-Regulation 1901/ 2006/EC) werden zunehmend klinische Studien mit Antihypertensiva bei Kindern und Jugendlichen gemacht. Kollegen müssen sich darauf einstellen, dass sie künftig nur noch Antihypertensiva verordnen dürfen, die bei Kindern zugelassen sind.

Klassiker sind für Kinder und Jugendliche Betablocker, obwohl sie für diese nicht explizit zugelassen sind. Derzeit werden nach Angaben Raschers  die kardioselektiven Beta-1-Rezeptorblocker Atenolol und Metoprolol als Retardpräparate eingesetzt. Beim Metabolischen Syndrom werden sie allerdings nicht mehr empfohlen.

Von den ACE-Hemmern ist Captopril inzwischen für Kinder und Jugendliche zugelassen. Es muss allerdings mehrmals täglich eingenommen werden. Auch Enalapril ist für Kinder über sechs Jahren zugelassen. Nach Angaben Raschers sind ACE-Hemmer heute Mittel der ersten Wahl zur medikamentösen Blutdrucksenkung bei Kindern und Jugendlichen. Sie haben damit die Betablocker abgelöst.

Mit dem Kalzium-Antagonisten Amlodipin gebe es bereits klinische Erfahrungen und gute Studien aus den USA. Ein Diuretikum sei vor allem bei Hypertonieformen mit erhöhter Natriumretention oder gesteigerter Salzsensitivität sinnvoll. Derzeit in Studien untersucht werden Angiotensin-Rezeptorblocker. Erste Erfahrungen bei pädiatrischen Patienten gebe es mit Losartan und Irbesartan.

Aus pathophysiologischen Überlegungen und aufgrund von klinischen Studien sollten Kinder und Jugendliche mit Hypertonie in erster Linie mit einem ACE-Hemmer behandelt werden, empfiehlt Rascher. Etwa zehn Prozent brauchen ein weiteres Präparat. Hydrochlorothiazid oder Amlodipin werden dann dazugegeben, so der Pädiater. (Rö)

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