Vernachlässigte Kinder

Blutdruck zu selten kontrolliert

Fallen bei Kindern erstmals zu hohe Blutdruckwerte auf, sollte die Messung in ein bis zwei Wochen wiederholt werden. Die Realität sieht leider anders aus.

Veröffentlicht:
Blutdruckmessung bei einem Kind.

Blutdruckmessung bei einem Kind.

© Universitätsklinikum Heidelberg

DENVER. Seit langem existierten Empfehlungen für die Diagnostik von Bluthochdruck bei Kindern. Doch in den wenigsten Fällen werden sie berücksichtigt, wie das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie zeigt.

Denn nur bei 20,9 Prozent der Kinder, bei denen im Rahmen einer Routineuntersuchung erhöhte Werte aufgefallen waren, wurde die Messung innerhalb eines Monats wiederholt.

Metthew F. Dalley vom Institute for Health Care in Denver und Kollegen wollten wissen, wie es um das Bluthochdruck-Screening bei Kindern und Jugendlichen bestellt ist, und suchten in den Datenbanken dreier großer Gesundheitszentren nach 3- bis 17-jährigen Kindern, deren Blutdruck im Zeitraum zwischen 2007 bis 2010 mehrmals - mindestens aber zweimal - gemessen worden war (Pediatrics 2013; online 1. Juli).

Ein besonderes Augenmerk legten sie auf Probanden, bei denen die Messung zu hohe Werte ergeben hatte. Als erhöhter Blutdruck galten diastolische bzw. systolische Drücke ab der 95. Perzentile je nach Alter, Geschlecht und Größe.

Um einen schon länger bestehenden Bluthochdruck auszuschließen, haben die Pädiater nur Kinder berücksichtigt, deren erste Messung normwertige Drücke ergeben hatte. Zudem durften keine Vorerkrankungen bestehen, die einen Bluthochdruck begünstigen.

Mehrmalige Blutdruckmessungen gab es von insgesamt 17.628 Kindern und Jugendlichen, davon hatten 6108 (8,4 Prozent) mindestens einmal erhöhte Werte.

Bei fast der Hälfte der Drei- bis Fünf- (43,9 Prozent) sowie Sechs- bis Achtjährigen (33,2 Prozent) war nur der diastolische Wert erhöht (diastolischer Blutdruck = 95. Perzentile und systolischer Druck , 95. Perzentile).

Bei älteren Kindern und Jugendlichen hingegen hatte der überwiegende Anteil eine systolische Druckerhöhung (p , 0,001). Je nach Höhe der systolischen Werte haben Daley und Kollegen diese in Grad 1 (zwischen der 95. und 99. Perzentile plus 5 mmHg) und Grad 2 (. 99. Perzentile plus 5 mmHg) unterteilt.

Kontrolle nur bei 21 Prozent innerhalb eines Monats

Nur bei 1275 Kindern (20,9 Prozent) ist der Blutdruck - wie empfohlen - innerhalb eines Monats kontrolliert worden. Bei 2130 (34,9 Prozent) waren zwei bis sechs Monate und bei 1153 sieben bis zwölf Monate bis zur nächsten Messung vergangen.

Bei 1550 (25,4 Prozent) Kindern und Jugendlichen war auch innerhalb eines Jahres keine Kontrolle erfolgt. Während ein krankhaftes Übergewicht oder eine Blutdruckerhöhung Grad 2 in keinem Zusammenhang mit einer leitliniengerechten Kontrolle stand, stieg hingegen mit dem Alter der Kinder sowie mit der Anzahl der vorausgegangenen Konsultationen (unabhängig vom Grund) die Wahrscheinlichkeit, dass der Blutdruck innerhalb eines Monats erneut gemessen wurde.

Ebenfalls entscheidend war, in welchem Zusammenhang die erhöhten Werte aufgefallen waren: Wurden sie im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung gemessen, schloss sich deutlich seltener eine Kontrolle an als bei Kindern, die aus anderen Gründen den Arzt aufgesucht hatten.

Allerdings bestand lediglich bei 84 Kindern (1,4 Prozent) tatsächlich eine persistierende Hypertonie: Bei ihnen lag der Blutdruck in drei aufeinanderfolgenden Messungen innerhalb eines Jahres über der alters-, größen- und geschlechtsadaptierten 95. Perzentile.

Jedoch, so räumen die Studienautoren ein, sei bei nicht mal der Hälfte der Kinder (49,1 Prozent) mit erhöhten Werten der Blutdruck innerhalb von zwölf Monaten wenigstens zweimal kontrolliert worden.

Um dem Bluthochdruck-Screening bei Kinder mehr Beachtung zu verschaffen, setzen die Studienautoren auf elektronische Warnsysteme, die basierend auf den gespeicherten Patientendaten bei entsprechenden Blutdruckwerten Alarm schlagen.

Aber auch die Überarbeitungen der existierenden Leitlinien sei, so Daley, angebracht, um das Augenmerk auf das Hypertonie-Screening zu lenken. (dk)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: So sieht die optimale Therapie (derzeit) aus

Weltkrebstag 2026

Was es für die optimale Krebsversorgung auf dem Land braucht

Strukturelle Ursachen ausschließen!

Das sind die Red Flags bei Nackenschmerzen

Lesetipps
Eine Frau hält eine Lupe über die Abbildung einer Gebärmutter.

© Gambar / stock.adobe.com

Humane Papillomviren

Nach Impfung: HPV-Screening nur zwei- bis dreimal im Leben?