Ärzte Zeitung, 05.05.2015

Hypertonie

Für Prophylaxe ist es nie zu früh

Zu hohem Salzkonsum und Bluthochdruck kann bereits in der Grundschule vorgebeugt werden, wie eine Studie aus China zeigt.

STUTTGART. Viele Menschen werden bereits als Kind an salzige Speisen gewöhnt. Eine Veränderung dieser Esskultur, die als wichtige Ursache für Bluthochdruck gilt, müsse deshalb frühzeitig einsetzen, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Hochdruckliga e. V. (DHL®).

In einer Studie in China gelang es, über den Unterricht in der Grundschule das Essverhalten in den Familien zu ändern und den Blutdruck bei Kindern und Erwachsenen zu senken (BMJ 2015; 350: h770). Ähnliche Ansätze könnten auch in deutschen Schulen sinnvoll sein. Jedoch sehen DHL-Experten das Problem in Deutschland vor allem in zu salzhaltigen Grundlebensmitteln.

Der Salzkonsum von Kindern in Nordchina liegt im Durchschnitt um 40 Prozent über der von der WHO empfohlenen Menge von 5 Gramm pro Tag für Erwachsene. Erwachsene konsumieren dort sogar die doppelte Menge.

"Bluthochdruck unter Erwachsenen ist in China weit verbreitet, Schlaganfall und Herzinfarkt sind häufige Todesursachen", wird Professor Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga in der Mitteilung zitiert.

Wie in den meisten Ländern sind auch in China Essgewohnheiten nur schwer zu verändern: "Internationale Studien, die auf eine Schulung der Erwachsenen zielen, waren bislang nur mäßig erfolgreich - unabhängig vom Land", sagt Hausberg.

Grundschüler lernen: Zu viel Salz ist gefährlich

Ein internationales Forscherteam hat deshalb mit der "School-EduSalt"-Studie Grundschüler in den Fokus genommen. In der nordchinesischen Stadt Changzhi lernten alle Fünftklässler im Unterricht, dass zu viel Salz im Essen gefährlich ist und wie sie sich salzärmer ernähren können.

Das Ergebnis der Studie: Die Kinder haben das neu erworbene Wissen in die Familien getragen und tatsächlich das Koch- und Essverhalten der Erwachsenen verändert, am Ende des Schuljahres hatten die Kinder den Salzkonsum um ein Drittel und die Eltern um ein Viertel gesenkt, erläuterte Hausberg.

Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auf den Blutdruck: Bei den Kindern sank der systolische Wert um 0,8 mmHg, bei den Erwachsenen um 2,3 mmHg.

Ein Unterschied von 2,3 mmHg ist laut Hausberg keineswegs banal: "Studien haben gezeigt, dass dies langfristig die Zahl der Schlaganfälle um 9 Prozent und die Zahl der Herzinfarkte um 5 Prozent senkt."

In China würde dies nach einer Berechnung des Wolfson Institute of Preventive Medicine in London jährlich 153.000 Schlaganfälle und 47.000 Herzinfarkte vermeiden.

Salzhaltige Ernährung auch in Deutschland

Auch in Deutschland ernähren sich Kinder und Erwachsene zu salzhaltig. Männer nehmen im Durchschnitt 9 und Frauen 6,5 Gramm Kochsalz am Tag zu sich.

"Bei Kindern und Jugendlichen ist der Konsum häufig noch höher, da viele Snacks extrem salzhaltig sind", so Hausberg in der Mitteilung: "In diesem Alter erfolgt eine Gewöhnung an salzhaltige Speisen, die später nur schwer verändert werden kann."

Ernährungsthemen könnten daher auch in deutschen Schulen den Unterricht sinnvoll ergänzen, so Hausberg. So einfach wie in Nordchina sei die Situation in Deutschland jedoch nicht. "Das Salz kommt in Deutschland im Unterschied zu Nordchina kaum aus salzhaltigen Würzmitteln wie Sojasauce oder Bohnenpaste.

Es verbirgt sich eher in vorgefertigten Nahrungsmitteln, beispielsweise in Käse, Wurst und Brotwaren", erläuterte der Experte. Auf diese Lebensmittel möchten die meisten nicht verzichten.

"Um den Salzkonsum in der Bevölkerung zu senken, muss deshalb auch der Salzgehalt in den Nahrungsmitteln vermindert werden", fordert Hausberg. (eb)

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