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Ärzte Zeitung, 08.12.2016

Blutdruck

Bei dickem Arm besser am Handgelenk messen

Wenn die Blutdruckmanschette kaum über einen dicken Oberarm passt, sollte man für die Messung das Handgelenk wählen. Das liefert genauere Ergebnisse, so eine Studie.

Von Elke Oberhofer

Bei dickem Arm besser am Handgelenk messen

Reicht die Manschette? Zum Blutdruckmessen bei Adipositas gibt es noch keine Standards.

© Africa Studio / fotolia.com

CAMBRIDGE. Bei vielen übergewichtigen Patienten ist der Oberarm zu dick für die Blutdruckmessung. Die Standardmanschette ist nämlich nur 22 bis 32 cm lang, hat ein Arm einen größeren Umfang, ist zumindest in vielen Arztpraxen Schluss. Erhältlich sind Manschetten in Übergrößen, die bis auf 42 cm kommen, aber einige Patienten sprengen auch diesen Rahmen.

Umfangreiche Oberarme in zu knapp sitzende Manschetten zu quetschen, ist nicht ratsam, postulieren Forscher aus Großbritannien. Das Team um Dr. Greg Irving von der Universität Cambridge hat 20 Studien zum Thema ausgewertet (BMJ Open 2016; 6: e012429). Darin waren bei stark Übergewichtigen verschiedene Verfahren der Blutdruckmessung getestet worden, und zwar im Vergleich zu Referenzmessungen mit invasiver Blutdruckmessung, gut sitzender Oberarmmanschette oder ambulanter Blutdruckmessung. Die Patienten hatten einen Oberarmumfang von mindestens 35 cm, einen BMI ab 30 oder einen Körperfettanteil von mindestens 25 Prozent (Männer) oder 30 Prozent (Frauen).

Im Vergleich zur invasiven Blutdruckmessung zeichnete sich die gut sitzende, extragroße Oberarmmanschette durch eine Sensitivität von 0,87 und eine Spezifität von 0,85 aus. Die aus fünf Studien ermittelte gepoolte Sensitivität für das zu enge Modell (im Vergleich zum gut sitzenden) lag dagegen bei durchschnittlich 0,73, die Spezifität bei 0,76. Bei der Unterarmmanschette sah es im entsprechenden Vergleich kaum besser aus (Sensitivität 0,84, Spezifität 0,75), erst recht nicht für die Messung am Finger (0,57 und 0,74). Nach Irving und Kollegen ist das zu wenig, um einen Bluthochdruck zuverlässig erkennen zu können. Die British Hypertension Society fordert eine Abweichung von höchstens 3 mmHg, als klinisch relevante Abweichung gelten den Forschern zufolge Unterschiede zum Referenzwert von 5 mmHg und mehr.

Diesen Kriterien entsprach bei Übergewichtigen neben der korrekt sitzenden Oberarmmanschette nachweislich nur eine weitere Messmethode: die Handgelenksmessung. Hiermit wurde in einer gepoolten Analyse über ebenfalls fünf Studien eine Sensitivität von 0,92 bei gleich hoher Spezifität nachgewiesen. Voraussetzung: Das Handgelenk des Patienten musste auf dessen Herzhöhe gehalten werden. In einer Konkordanzanalyse über drei Studien wurde mit dieser Methode eine mittlere Abweichung von lediglich 0,51 mmHg beim systolischen Blutdruck und von 1,96 mmHg beim diastolischen Blutdruck – jeweils im Vergleich zur gut sitzenden Oberarmmanschette – nachgewiesen.

Was dem Praktiker als Alternative bleibt, wenn keine für den Oberarm passende Manschette zur Hand ist, ist laut Irving also die Messung am Handgelenk. Dabei sei tunlichst darauf zu achten, das Gelenk mit der Manschette auf Herzhöhe zu halten. Werde dies nicht beachtet, sei mit hoher Wahrscheinlichkeit mit systematischen Messfehlern zu rechnen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass es zur Blutdruckmessung bei Übergewichtigen international keinen einheitlichen Standard gibt: Während die American Heart Association gegenwärtig bei zu enger Oberarmmanschette die Messung am Unterarm empfiehlt, sieht die European Society of Cardiology die Handgelenksmessung als erste Alternative vor. Ein dritter Vorschlag kommt von der British Hypertension Society: Diese rät, den Hersteller zu kontaktieren und eine Manschette in Übergröße anzufordern.

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