Ärzte Zeitung online, 16.10.2017
 

Forschung

Bei Präeklampsie mischt eine Überdosis Genaktivität mit

BERLIN. Bei der Entstehung von Präeklampsie spielen offenbar zusätzliche epigenetisch angeschaltete Gene eine Rolle, wie ein Forscherteam unter Federführung des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) herausgefunden hat (Circulation 2017; online 13. September). Die Forscher haben zudem ein In-vitro-Modell der Erkrankung entwickelt, das die Bedeutung der Fehlregulation eines Transkriptionsfaktors zeigt.

Die Forscher verglichen Plazenta-Gewebeproben von Patientinnen mit Präeklampsie und deren genetische Ausstattung mit Proben von gesunden Wöchnerinnen, heißt es in der Mitteilung des MDC. Im gesamten Erbgut wurden jene Gene bestimmt, die in beiden Patientinnengruppen unterschiedlich aktiv sind. Zudem wurde die genomische Prägung der DNA (Imprinting) überprüft, bei der Gene auf den Chromosomen väterlicher oder mütterlicher Herkunft abgeschaltet werden. So konnte unter anderem das DLX5-Gen als bedeutsamer Transkriptionsfaktor, der bei Präeklampsie andere Gene steuert, identifiziert werden. Auf dem vom Vater stammenden Chromosom ist dieses Gen normalerweise deaktiviert, also epigenetisch "geprägt". Damit wird die korrekte Dosierung der Genaktivität sichergestellt. Diese Prägung war jedoch in etwa 70 Prozent der untersuchten Präeklampsie-Plazentaproben verloren gegangen; das Gen war angeschaltet worden.

Die Studie zeige zum ersten Mal, dass die Veränderungen der epigenetischen Prägung und die damit veränderte Steuerung von Genaktivität zur Präeklampsie beitragen, heißt es weiter. Die Wissenschaftler fanden zudem drei Typen Präeklampsie – was auf eine komplexe Erkrankung hinweist.

Der Berliner Forschungsgruppe ist nun gelungen, ein In-vitro-Modell zu entwickeln. In der Petrischale erhöhten die Forscher die Aktivität des DLX5-Gens in den Zellen des Trophoblasten, der embryonalen Zellschicht, aus der sich später die Plazenta entwickelt. Die Zellen wechselten in einen Stresszustand, der auch bei Präeklampsie-Patientinnen beobachtet wird. Mithilfe des Zellsystems können die verschiedenen Typen der Präeklampsie nun weiter untersucht und nach neuen Medikamenten und Wirkstoffen gefahndet werden. (eb)

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