Ärzte Zeitung online, 16.11.2018

Studie aus den USA

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant für Herz und Gefäße

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. Das geht aus der prospektiven Studie CARDIA hervor.

Von Peter Leiner

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Hypertonie in jungen Jahren steigert das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen im späteren Leben.

© hriana / Fotolia

DURHAM. Um den Zusammenhang zwischen dem Befolgen der Blutdruckempfehlungen des American College of Cardiology (ACC) und der American Heart Association (AHA) für junge Erwachsene von 2017 und dem kardiovaskulären Risiko später im Leben aufzudecken, haben Ärzte und Wissenschaftler um den Familienmediziner Dr. Yuichiro Yano von der Duke University in Durham prospektive Daten der CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development in Young Adults) ausgewertet (JAMA 2018; 320 (17): 1774–1782). Den neuen Definitionen zufolge gelten in den USA bereits Werte von 120–129/< 80 mmHg als erhöhter Blutdruck, Werte von 130–139/80–89 mmHg als Hypertonie-Stadium 1, > 140/> 90 mmHg als Stadium 2.

Mitte der 1980er-Jahre wurden mehr als 5100 Afroamerikaner und Weiße zwischen 18 und 30 Jahren in die CARDIA-Studie aufgenommen und über einen Zeitraum bis zu 30 Jahren mehrmals untersucht, und zwar nach 2, 5, 7, 10, 15, 20, 25 und 30 Jahren. 87 Prozent der Studienteilnehmer nahmen an den klinischen Untersuchungen oder Interviews in den letzten beiden Jahren teil, 92 Prozent in den letzten fünf Jahren.

Für die Auswertung zur Verfügung standen die Befunde von 4851 Teilnehmern, die zu Beginn des Follow-up durchschnittlich 35 Jahre alt waren. 55 Prozent waren Frauen, jeder Zweite Afroamerikaner. Vier Prozent (n = 206) der Teilnehmer wurden seit Studienbeginn antihypertensiv behandelt. Einen normalen Blutdruck – nach der ACC/AHA-Leitlinie – hatten 2574 Teilnehmer, erhöhten Blutdruck 445, eine Hypertonie Stadium 1 insgesamt 1194 und Stadium 2 insgesamt 638 Studienteilnehmer.

Patienten starben vor dem 60. Lebensjahr

Während des Follow-up von median 18,8 Jahren wurden 228 kardiovaskuläre Ereignisse dokumentiert: bei 109 Teilnehmern eine KHK, bei 63 ein Schlaganfall, bei 48 ein Herzinfarkt und bei acht Studienteilnehmern eine periphere arterielle Erkrankung. Insgesamt 319 Patienten starben. Alle kardiovaskulären Ereignisse und Todesfälle traten noch vor dem 60. Lebensjahr auf.

Die Multivariatanalyse ergab bei einem erhöhten Blutdruck vor dem 40. Lebensjahr eine Hazard Ratio (HR) für kardiovaskuläre Ereignisse von 1,67 (95%-Konfidenzintervall: 1,01–2,77): Im Vergleich zur Gruppe der Teilnehmer mit normalem Blutdruck war somit bei ihnen die Wahrscheinlichkeit für eine kardiovaskuläre Erkrankung im Laufe des Follow-up um 67 Prozent höher. Bei Teilnehmern mit einer Hypertonie im Stadium 1 war das Risiko um 75 Prozent höher (HR: 1,75; 95%-Konfidenzintervall: 1,22 – 2,53), mit einer Hypertonie im Stadium 2 sogar auf das Dreieinhalbfache erhöht (HR: 3,49; 95%-Konfidenzintervall: 2,42–5,05).

Nach Angaben der Forscher liegt eine der Stärken der Studie darin, dass sie 1985 begann, was als der Wendepunkt in der amerikanischen Adipositasepidemie gilt. Einige Faktoren, die den Zusammenhang zwischen Blutdruck und kardiovaskulären Erkrankungen beeinflussen könnten, etwa die Natriumaufnahme oder psychologische Faktoren, seien jedoch nicht berücksichtigt worden.

Unklar sei auch, ob sich die Ergebnisse der kontrollierten prospektiven Studie auf den klinischen Alltag übertragen lassen. Dennoch glauben die Autoren, dass die Bluthochdruckleitlinie von 2017 geeignet ist, junge Erwachsene mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko frühzeitig zu entdecken.

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