Ärzte Zeitung online, 27.04.2018

Männerherzen unter Druck

Lärm und Stress im Job sind Gift fürs Herz

Mit zunehmendem Lärmpegel im Job steigt offenbar das KHK-Risiko, so eine Studie. Besonders groß ist die Gefahr bei denjenigen, die unter hohem psychischen Druck stehen.

Von Christine Starostzik

Lärm und Stress sind Gift fürs Herz

Das Herz von Männern leidet unter Lärm, so eine schwedische Studie. Schon eine mittlere Geräuschbelästigung erhöht das Risiko für KHK.

© Coloures-Pic / stock.adobe.com

GÖTEBORG. Gehörschäden durch eine laute Arbeitsumgebung wurden bereits vielfach untersucht und ein Zusammenhang wurde bestätigt. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass der Lärm nicht nur die Ohren malträtiert, sondern auch kardiovaskuläre Erkrankungen wie KHK oder Schlaganfall begünstigen kann.

In einer prospektiven Längsschnitt-Kohortenstudie haben Helena Eriksson vom Sahlgrenska University Hospital in Göteborg und Kollegen jetzt die Daten von 5753 schwedischen Männern der Primary Prevention Study ausgewertet, die zwischen 1915 und 1925 in Göteborg geboren sind (BMJ Open 2018;8:e019160).

Dem schwedischen Nationalregister entnahmen die Autoren die Diagnosen bei Klinikentlassung sowie die Todesursachen. Mithilfe der Basisdaten zu den Arbeitsverhältnissen zwischen 1974 und 1977 wurde das Ausmaß der beruflichen Lärmbelastung ermittelt.

Die Personen wurden vom Tag ihrer Erstuntersuchung bis zu ihrem Tod, der Klinikentlassung oder bis zum Alter von 75 Jahren beobachtet. Die meisten der Männer waren bereits im Ruhestand, als ein Gehörschutz allgemein üblich wurde.

Mindestens 15 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit

Während der gesamten Beobachtungszeit von 94.222 Personenjahren erkrankten 1004 Studienteilnehmer an einer KHK und es ereigneten sich 517 Schlaganfälle. Männer, die in ihrem Berufsleben Geräuschpegeln mittlerer Stärke (75–85 dB) ausgesetzt waren, hatten im Vergleich zu Personen mit einer Lärmbelastung unter 75 dB altersadjustiert ein um 15 Prozent höheres KHK-Risiko.

Bei hohem Lärmpegel (> 85 dB) war das Risiko um 27 Prozent gesteigert. Auch wenn neben dem Alter BMI, Diabetes, Hypertonie, Raucherstatus sowie Cholesterin berücksichtigt wurden, blieben die Risikounterschiede zur Kontrollgruppe signifikant (+13 Prozent bzw. +22 Prozent).

Für Berufstätige, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Lärmspitzen ausgesetzt waren, ermittelten die Autoren ein um 19 Prozent erhöhtes KHK-Risiko gegenüber Personen an ruhigen Arbeitsplätzen.

Psychischer Druck erhöht Risiko

Besonders ausgeprägt waren die Folgen des Lärms für die Herzen derjenigen, die bei ihrer Arbeit zusätzlich unter starkem psychischem Druck standen, etwa weil sie hohe Anforderungen erfüllen mussten, aber nur wenig Einflussmöglichkeit hatten.

Bei einer Geräuschkulisse von > 75 dB stieg das KHK-Risiko unter dieser zusätzlichen Belastung altersadaptiert um 80 Prozent und unter Berücksichtigung aller Störfaktoren um 73 Prozent. Bei Arbeitnehmern ohne psychischen Druck dagegen nahm das Risiko bei mittlerer bis hoher Lärmbelastung nur um 10 Prozent bzw. 8 Prozent zu.

Kein Zusammenhang mit dem Lärmpegel am Arbeitsplatz fand sich für den Schlaganfall.

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