Ärzte Zeitung online, 07.11.2018

Studie

Diabetiker haben weniger Herzinfarkte nach Adipositas-Op!

Unterziehen sich schwer adipöse Typ-2-Diabetiker einer bariatrischen Operation, dann verringert sich nach Studiendaten auch ihr Risiko für makrovaskuläre Komplikationen.

Von Beate Schumacher

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Mit diesem Modell wird in der Adipositas-Klinik IPCO in Mulhouse (Frankreich) das Magenband zur Gewichtsreduktion demonstriert.

© AMELIE-BENOIST / BSIP / mauritius images

SEATTLE. Bei Diabetikern mit schwerer Adipositas führt bariatrische Chirurgie nach Studiendaten nicht nur zu langfristiger Gewichtsabnahme, sondern auch die Werte von Blutzucker und Blutfetten sinken und der Bedarf an Antidiabetika geht zurück. Ob sich durch das verbesserte kardiovaskuläre Risikoprofil auch Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern lassen, wurde bislang allerdings noch nicht in kontrollierten Studien untersucht.

Erste Hinweise auf eine solche Schutzwirkung gibt jetzt eine Kohortenstudie mit rund 5300 operierten Typ-2-Diabetikern. Im Vergleich zu Diabetikern ohne bariatrische Op hatten sie ein um 40 Prozent reduziertes Risiko für makrovaskuläre Ereignisse. Für den retrospektiven Vergleich waren fast 15.000 Diabetiker ohne Adipositaschirurgie herangezogen worden, die in Alter, Geschlecht, BMI, HbA1c, Insulinbedarf und Diabetesdauer mit den operierten Patienten übereinstimmten.

Der BMI musste mindestens 35 betragen, im Mittel lag er bei 44. Drei Viertel der Kohortenmitglieder waren Frauen und die Teilnehmer im Schnitt 50 Jahre alt. Von den Op-Patienten hatten 76 Prozent einen Roux-en-Y-Magenbypass, 17 Prozent einen Schlauchmagen und 7 Prozent ein verstellbares Magenband erhalten (JAMA 2018; 320: 1570).

40 Prozent geringeres Risiko

In der Nachbeobachtungszeit (median 4,7 Jahre) gab es in der Op-Gruppe 106 makrovaskuläre Ereignisse (37 zerebrovaskulär, 78 koronar); in der Vergleichsgruppe waren es 596 (227 zerebrovaskulär, 398 koronar) in einem solchen Zeitraum. Dies entspricht Fünf-Jahres-Raten von 2,1 und 4,3 Prozent. Bereinigt um Störfaktoren ergab sich damit nach bariatrischer Chirurgie ein um 40 Prozent vermindertes Risiko für solche Ereignisse.

Das Risiko für Koronarerkrankungen (Herzinfarkt, instabile Angina, PCI, Koronar-Bypass) war mit 1,6 vs. 2,8 Prozent ebenfalls signifikant vermindert, die adjustierte Risikoreduktion betrug 36 Prozent. Zerebrovaskuläre Ereignisse (Schlaganfall, Karotisstenting, Karotisendarteriektomie) waren zwar numerisch seltener (0,7 vs. 1,7 Prozent), die Reduktion war aber statistisch nicht signifikant.

Nach fünf Jahren waren zudem 1,3 Prozent der Patienten mit Op und 4,5 Prozent gestorben. Die adjustierte Risikosenkung war mit 67 Prozent ebenfalls signifikant.

Die Ergebnisse bestätigen bislang publizierte Daten zur Adipositas-Chirurgie. Das Studiendesign schließt kausale Schlussfolgerungen jedoch aus. Die Ergebnisse sollten daher in randomisierten klinischen Studien verifiziert werden, so die Studienautoren. Sie empfehlen aber jetzt schon, Patienten mit Diabetes und schwerer Adipositas in Gesprächen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung die mögliche Bedeutung der Op in der Prävention von makrovaskulären Ereignissen darzulegen.

Kohortenstudie mit adipösen Diabetikern

  • Vergleich: 5300 Typ-2-Dia- betiker mit und 15.000 ohne Op über im Median 4,7 Jahre.
  • Ergebnis: Bariatrische Chirurgie war assoziiert mit einem um 40 Prozent niedrigeres Risiko für makrovaskuläre Ereignisse und um 36 Prozent niedrigerem Risiko für koronare Komplikationen.
  • Bedeutung: Die mögliche Präventivwirkung sollte bei der Beratung zur Adipositas-Chirurgie angesprochen werden.
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