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Alte herzinsuffiziente Patienten sind oft unzureichend versorgt

MANNHEIM (ner). Es gibt keinen Grund, alte Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz anders zu behandeln als jüngere Patienten. Professor Michael Böhm aus Homburg/Saar mahnte beim Kardiologenkongreß in Mannheim vor allem die Versorgung mit ACE-Hemmern und Betablockern an.

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"Es gibt keine qualitativen Unterschiede in der Therapie bei systolischer Herzinsuffizienz bei Älteren, wohl aber quantitative Unterschiede", sagte Böhm. Besonders bei diesen Patienten müsse wegen der veränderten Pharmakokinetik und oft eingeschränkter Nierenfunktion auf eine individualisierte Substanzwahl und Dosisanpassung geachtet werden.

In den großen Herzinsuffizienz-Studien seien sowohl für jüngere als auch ältere Patienten die Prognose-verbessernden Effekte von ACE-Hemmern, AT1-Antagonisten und Betablockern nachgewiesen worden. Dies treffe vor allem auf jene Patienten zu, bei denen aufgrund eines niedrigen Blutdrucks oder einer eingeschränkten Nierenfunktion gerne auf solche Mittel verzichtet werde. Das sei falsch: Gerade diese Patienten profitierten von den genannten Arzneimitteln, betonte der Kardiologe mit Verweis auf die Studiendaten.

Böhm räumte zwar ein, daß in den meisten Herzinsuffizienz-Studien über 70jährige Patienten unterrepräsentiert seien - der typische Herzinsuffizienz-Patient ist durchschnittlich 74 Jahre alt -, dennoch seien die Ergebnisse von Subgruppen-Analysen eindeutig. Zudem hat die SENIORS-Studie, in die gezielt mehr als 2100 über 70jährige Patienten aufgenommen worden waren, klar die qualitativen Effekte eines Betablockers bestätigt: Die Zahl der Todesfälle und Krankenhaus-Einweisungen lag um 14 Prozent niedriger als unter Placebo.

80 Prozent der Patienten im NYHA-Stadium III und IV erhalten Diuretika. Selbst bei stabiler Einstellung der Herzinsuffizienz sei das gefahrlose Absetzen von Diuretika meist nicht möglich, so Böhm. Eine Studie in englischen Altersheimen habe ergeben, daß sich dann binnen weniger Wochen der Allgemeinzustand deutlich verschlechtere.

Digitalis-Präparate haben keine Effekte auf die Sterblichkeit. Böhm erinnerte daran, daß bei älteren Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion die Gefahr der relativen Überdosierung groß sei. Hohe Digitalis-Serumspiegel gingen sogar mit einer erhöhten Mortalitätsrate einher.

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