Ärzte Zeitung, 05.03.2007

Zusatznutzen durch Gewebshormon-Messung

Bei chronisch stabiler ischämischer Herzinsuffizienz erste Hinweise auf natriuretisches Peptid als Prognose-Marker

WIESBADEN (cin). Das natriuretische Peptid BNP ist zur Diagnostik und Therapie-Überwachung der Herzinsuffizienz und zur differenzialdiagnostischen Unterscheidung zwischen kardialer oder pulmonaler Dyspnoe weitgehend etabliert. Aktuelle Studien haben ergeben, dass der BNP-Spiegel auch bei chronisch stabiler ischämischer Herzkrankheit einen Hinweis auf die Prognose liefern könnte.

Zwei Studien dazu hat Privatdozent Bernhard Witzenbichler bei der Fortbildungsveranstaltung Cardio Update in Wiesbaden vorgestellt. In einer der beiden Studien wurden bei mehr als 1000 Patienten mit stabiler ischämischer Herzkrankheit BNP, NT-pro-BNP und die linksventrikuläre Auswurffraktion (LV EF) gemessen (J Am Coll Cardiol 47, 2006, 52). Stabile ischämische Herzkrankheit bedeutete, dass die Patienten mehr als vier Monate vor Studienbeginn einen Myokardinfarkt gehabt hatten, typische Angina, einen positiven Belastungstest oder einen angiografischen Nachweis der Erkrankung.

Mit Werten unterhalb der Norm ist Sterberisiko niedrig

Ergebnis: Für Patienten, deren Peptidwerte im Normbereich lagen (siehe Stichwort), war mit einer Wahrscheinlichkeit von über 94 Prozent eine schwere systolische linksventrikuläre Dysfunktion (EF kleiner 30 Prozent) auszuschließen. Eine Auswurffraktion unter 40 Prozent war noch mit einer Wahrscheinlichkeit von unter 85 Prozent auszuschließen.

"Zudem hatten Patienten, deren Werte unterhalb der Norm lagen, ein geringeres Risiko, wegen Tod oder Herzinsuffizienz ins Krankenhaus zu kommen", sagte der Kardiologe von der Charité Berlin bei der vom Unternehmen Novartis unterstützten Veranstaltung. "Die Studienergebnisse lassen darauf schließen, dass Patienten mit chronisch stabiler Angina pectoris und doppelt erhöhten Peptidwerten ein doppelt erhöhtes Risiko haben, innerhalb eines Jahres zu sterben oder stationär wegen dekompensierter Herzinsuffizienz aufgenommen werden zu müssen."

Zwischen den Messungen lagen im Mittel zweieinhalb Jahre

In der zweiten Studie wurden bei etwa 1100 Patienten ebenfalls die BNP-Werte bestimmt (J Am Coll Cardiol 47, 2006, 552). Zwischen den Messungen lagen im Mittel zweieinhalb Jahre. Die Studie ergab, dass die BNP-Spiegel bei den Patienten mit kardiovaskulären Ereignissen, etwa Tod oder nichttödlichem Myokardinfarkt, signifikant höher waren als bei nicht betroffenen Patienten (im Median 119 pg / ml versus 32 pg / ml). "Nimmt man den oberen Grenzwert von 100 pg/ml, dann hatten die Patienten mit höheren BNP-Werten ein fast vierfach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen oder an einem kardiovaskulären Ereignis zu sterben", so Witzenbichler.

STICHWORT

BNP und NT-pro-BNP

Das B-Typ natriuretische Peptid (BNP) und das meist in den USA gemessene N-terminale Pro-B-Typ natriuretische Peptid (NT-pro-BNP) sind Spaltprodukte des PräPro-BNP. Die beiden Peptide entstehen etwa bei erhöhter Wandspannung des Herzens, bei Ventrikeldilatation oder bei erhöhten Füllungsdrücken. Die Normwerte für BNP liegen bei kleiner 40 pg / ml und für NT-pro-BNP bei kleiner 425 pg / ml.


INTERVIEW

Konzept Cardio Update gefällt gut

Das Cardio Update in Wiesbaden hat 2007 zum zweiten Mal stattgefunden. 2006 hatten etwa 450 Kollegen teilgenommen. 2007 waren es knapp 750, so die wissenschaftlichen Leiter Professor Helmut Drexler aus Hannover und Professor Heinz-Peter Schultheiss aus Berlin. Der niedergelassene Allgemeinarzt und Notfallmediziner Dr. Wolfgang Gillner hat die Veranstaltung 2007 erstmals besucht:

Ärzte Zeitung: Mit welchen Erwartungen sind Sie zum Cardio Update gekommen?

Gillner: Ich habe mir erhofft, mich für meine Basisarbeit in der Praxis auf den neuesten Stand zu bringen.

Ärzte Zeitung: Wie werten Sie die Veranstaltung jetzt, nachdem Sie sie erlebt haben?

Gillner: Obwohl manche Seminare für mich als Nicht-Kardiologen sehr speziell waren, kann ich im Praxisalltag von der Fortbildung profitieren. Ich bin bei wichtigen Themen, etwa der Herzinsuffizienz, wieder auf dem neuesten Stand. Meine Erwartungen sind auf jeden Fall erfüllt worden.

Ärzte Zeitung: Was hat Ihnen am Besten gefallen?

Gillner: Sehr gut hat mir das Konzept gefallen: Nach Vorstellung neuer Studiendaten sind die wichtigsten Infos in kurzen Zusammenfassungen nochmals auf den Punkt gebracht und in ihrer Wertigkeit beurteilt worden. Es wurde zudem stets die Möglichkeit zur Diskussion gegeben. Besonders vorteilhaft sind die Ordner mit allen vorgestellten Daten. Jetzt habe ich die Möglichkeit, alle wichtigen Themen nachzubearbeiten.

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