Ärzte Zeitung, 27.05.2004

Bei hohem Schlaganfall-Risiko werden mehrere Therapien nötig

Behandlung wegen multipler Risikofaktoren senkt die Gefährdung besonders stark

NEU-ISENBURG (Rö). Hypertoniker, bei denen weitere vaskuläre Risikofaktoren hinzukommen, haben ein stark erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Bei diesen Patienten ist es nicht nur wichtig, den Blutdruck konsequent zu senken. Therapien gegen die weiteren Risikofaktoren senken das Risiko zusätzlich.

Bei über der Hälfte aller Schlaganfall-Patienten ist ein zu hoher Blutdruck die Ursache der Apoplexie. Kommt ein Diabetes hinzu, ist sowohl der Blutdruck zuverlässig zu senken - deutlich unter 140 zu 90 mmHg - als auch eine Normoglykämie mit einem HbA1c-Wert unter sieben anzustreben. Denn in der United Kindom Prospective Diabetes Study (UKPDS) hat sich gezeigt, daß eine gute Diabeteseinstellung das Schlaganfall-Risiko in gleichem Ausmaß vermindert wie eine effektive Blutdrucksenkung.

Noch aus einem weiteren Grund ist es wichtig, bei Diabetikern einen Schlaganfall zu verhindern. Denn nach einer US-Studie ist für Diabetiker mit Schlaganfall das Demenz-Risiko fünffach erhöht (Arch Neurol 60, 2003, 1707).

Zigarettenrauchen ist als Risikofaktor für Schlaganfälle unbestritten. Nach dem Aufhören wird eine ähnliche hohe Verminderung des Risikos erreicht wie durch eine blutdrucksenkende Behandlung.

Kommen zur Hypertonie weitere kardiale Erkrankungen und Risikofaktoren hinzu, erhöhen diese auch stark die Gefahr eines Schlaganfalls. So entstehen ein Drittel aller zerebralen Ischämien durch Embolien aus dem Herzen. Die häufigste kardiale Ursache für einen Schlaganfall ist das Vorhofflimmern. Durch eine Antikoagulations-Therapie mit einem Ziel-INR von 2 bis 3 wird in diesem Fall das Schlaganfall-Risiko um 70 Prozent reduziert.

Wichtig zur Verhinderung von Schlaganfällen bei Hypertonikern ist auch, einer linksventrikulären Hypertrophie (LVH) vorzubeugen. Denn die LVH ist ein unabhängiger Risikofaktor auch für einen Schlaganfall. So war in einer italienischen Studie das Rate an zerebrovaskulären Ereignissen bei Hypertonikern mit LVH mehr als doppelt so hoch wie bei Hypertonikern ohne LVH, obwohl der Blutdruck bei allen Studienteilnehmern gleich effektiv gesenkt war. Besonders effektiv wirkt einer LVH ein Angiotensin-II-Antagonist wie Losartan entgegen. Und damit war ja in der LIFE-Studie die Schlaganfall-Rate um 25 Prozent geringer als mit Atenolol.

Bei KHK und AVK bestehen in den Gefäßen atherosklerotische Veränderungen, die auch ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko bedeuten, das durch eine Therapie zu vermindern ist. So war etwa in der CAPRIE-(Clopidogrel versus Aspirin in Patients at Risk of Ischaemic Events) Studie bei AVK-Patienten die Rate für die Kombination aus Herzinfarkt, Schlaganfall und vaskulär bedingten Tod bei Clopidogrel relativ um 24 Prozent niedriger als bei ASS.

Hypertonikern mit weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren bringt auch eine CSE-Hemmer-Therapie Nutzen, selbst dann, wenn die Cholesterinwerte nur mäßig erhöht sind. Hinweise dazu gibt es aus mehreren Studien.

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