Ärzte Zeitung, 22.10.2009

Auch alten Patienten nützt späte Lyse

Apoplexie-Patienten profitieren von längerem Lysezeitfenster - unabhängig von Alter, Geschlecht und Hypertonie

HEIDELBERG (mut). Bei ischämischem Schlaganfall lohnt sich eine Lysetherapie auch noch bis zu viereinhalb Stunden nach Symptombeginn - das hat vor einem Jahr die Studie ECASS III klar belegt. Eine neue Analyse der Studie hat jetzt ergeben, dass dies unabhängig vom Geschlecht, Alter, der Schwere des Ereignisses und Hypertonie gilt.

Auch alten Patienten nützt späte Lyse

CT bei Apoplexie (farbkodiert).

Foto: AK Altona

Das Zeitfenster für eine Lysetherapie öffnet sich damit für ein weites Spektrum an Schlaganfall-Patienten von bislang drei auf viereinhalb Stunden, berichten Dr. Werner Hacke und Mitarbeiter von der Uni Heidelberg (The Lancet online). Die Ergebnisse stützen auch Empfehlungen, die eine Öffnung des bisherigen Zeitfensters fordern. So rät die Europäische Schlaganfallgesellschaft Ärzten aufgrund der der ECASS-III-Ergebnisse bereits seit Anfang 2009, bis zu viereinhalb Stunden nach Ereignisbeginn zu lysieren. Zur Erinnerung: In der Studie erhielten 821 Patienten mit Schlaganfall, die innerhalb von drei bis viereinhalb Stunden nach dem Ereignis in ein Zentrum kamen, entweder das Thrombolytikum Alteplase oder Placebo. Zuvor war eine Hirnblutung per CT ausgeschlossen worden.

52 Prozent der mit Alteplase behandelten Patienten sprachen gut auf die Therapie an; sie hatten drei Monate später keine oder nur geringe funktionelle Einschränkungen: Ihr Wert auf der modifield Rankin Scale (primärer Endpunkt) lag im Bereich von 0 bis 1 Punkten. In der Placebogruppe war dieser Anteil mit 45 Prozent deutlich geringer.

In der jetzt vorgelegten Subgruppenanalyse profitierten auch Patienten über 65 Jahren stärker von Alteplase als von Placebo: 49 versus 45 Prozent hatten nach drei Monaten keine oder nur geringe funktionelle Einschränkungen. Bei Patienten unter 65 Jahren war der Unterschied mit 57 Prozent (Alteplase) versus 45 Prozent (Placebo) allerdings etwas größer. Ähnliches galt für Hypertoniker (49 versus 46 Prozent), auch hier war der Unterschied bei Nichthypertonikern (57 versus 44 Prozent) größer. Bei Diabetikern gab es jedoch keinen Vorteil für Alteplase beim primären Endpunkt. Nicht alle Ergebnisse der Subgruppenanalyse erreichten jedoch Signifikanzniveau.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »