Ärzte Zeitung, 03.06.2012
 

Schlaganfall: Lyse auch nach 4,5 Stunden

EDINBURGH (BS). Bleibt das Zeitfenster für die systemische Lyse nach Schlaganfall bald länger als 4,5 Stunden offen? Und könnte es sich für Hochbetagte ebenfalls öffnen? Die bisher größte Thrombolysestudie und eine Metaanalyse belegen den prognostischen Nutzen.

Lyse lohnt sich bis zu sechs Stunden nach Apoplexie

Bei der Versorgung sitzt jeder Griff. Noch liegt das Zeitfenster für eine Lyse bei Apoplexie offiziell bei 4,5 Stunden.

© imagebroker / INTERFOTO

Dass die Lysegrenze auf sechs Stunden und über das 80. Lebensjahr hinaus ausgedehnt werden könnte, legt die Studie IST-3 nahe (Lancet 2012; online 23. Mai).

Daran beteiligten sich 3035 Patienten, die Hälfte über 80 Jahre alt, bei denen nach ischämischer Apoplexie keine eindeutige Indikation für systemische Lyse vorlag.

Nach einer Zufallsverteilung wurden sie der i.v.-Therapie mit rt-PA (Alteplase, 0,9 mg/kg KG) oder der Kontrollgruppe zugeordnet.

Nach sechs Monaten war zwar die Überlebensrate in der rt-PA-Gruppe mit 37 Prozent (554/1515) nicht signifikant höher als in der Kontrollgruppe mit 35 Prozent (534/1520), aber mehr Patienten hatten keine Behinderung zurückbehalten (24 versus 21 Prozent).

Autoren plädieren für breite Indikationsstellung

Die Chance, selbstständig zu leben, war bei Lyse innerhalb von drei Stunden am größten, bei Patienten über 80 sogar größer als bei jüngeren.

Das bestätigt eine Metaanalyse über zwölf rt-PA-Studien mit einem Zeitfenster von sechs Stunden und 7012 Patienten (Lancet 2012; online 23. Mai).

Mit Lyse waren 46,3 Prozent bei Studienabschluss imstande, unabhängig zu leben, ohne nur 42,1 Prozent. Die 6-Monats-Sterberate war mit jeweils 27 Prozent gleich.

Möglicherweise sei bei einer Lyse bis zu sechs Stunden öfter ein Weiterleben ohne fremde Hilfe zu erreichen, schreiben die Autoren. Jeder Schlaganfallpatient sollte als Kandidat für die Thrombolyse gesehen werden.

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