Ärzte Zeitung, 10.05.2013

Tag gegen den Schlaganfall

Früher Insult hat lebenslang Folgen

Junge Schlaganfall-Überlebende haben eine schlechte Prognose. Jeder fünfte Betroffene im Alter unter 50 stirbt binnen elf Jahren, berichten Forscher. Aus Anlass des Tags gegen den Schlaganfall plädieren Experten für mehr Prävention.

Von Christine Starostzik

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Verdacht auf Schlaganfall? Dann die 112 rufen - das sollte Patienten immer wieder eingeschärft werden.

© imago / biky

NIJMEGEN. Auch wenn von einem Schlaganfall meist ältere Personen betroffen sind - immerhin jeder zehnte Patient ist unter 50 Jahre. Wie ein solch frühes Ereignis die Langzeitprognose beeinflusst, haben jetzt niederländische Forscher untersucht.

Hierzu wurden Daten von 959 Schlaganfall-Patienten im Alter von 18 bis 50 Jahren aus der FUTURE*-Studie analysiert.

An der prospektiven Kohortenstudie nahmen Patienten teil, die von 1980 bis 2010 im Radboud University Nijmegen Medical Centre wegen einer ersten TIA (transient ischämische Attacke, n = 262), eines ischämischen Schlaganfalls (n = 606) oder einer intrazerebralen Blutung (n = 91) behandelt worden waren (JAMA 2013; 309: 1136).

Die Mortalität der Patienten innerhalb von durchschnittlich elf Jahren wurde mit der Sterblichkeit in der Allgemeinbevölkerung verglichen. Alter und Geschlecht wurden dabei berücksichtigt.

Am Ende der Studie waren 20 Prozent der Schlaganfallpatienten gestorben, 4,5 Prozent binnen 30 Tagen nach dem Ereignis. Bei den 30-Tage-Überlebenden zeigte sich insgesamt eine höhere Sterblichkeit als in der Allgemeinbevölkerung.

Nach einem Jahr lag die kumulative Mortalität für TIA-Patienten bei 1,2 Prozent und nach 20 Jahren bei 24,9 Prozent. Entsprechende Sterberaten von 2,4 Prozent und 26,8 Prozent ergaben sich nach einem ischämischen Schlaganfall und von 2,9 Prozent und 13,7 Prozent nach intrazerebraler Blutung.

Die Ursache bleibt

Beim Geschlechtervergleich zeigten sich nach ischämischem Schlaganfall Nachteile für die Männer. Innerhalb von 20 Jahren stieg ihre kumulative Mortalitätsrate auf 33,7 Prozent versus 19,8 Prozent bei den Frauen.

Bei den Patienten mit einem ischämischem Schlaganfall war die Mortalität in allen Subgruppen erhöht. Das höchste Sterberisiko barg die kardioembolische Form, wegen der häufig bestehenden kardialen oder anderen Komorbiditäten.

Die standardisierte Mortalitätsrate (SMR**) lag am Endes des Studienzeitraums für die TIA im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung bei 2,6 und für den ischämischen Schlaganfall sowie die Gehirnblutung bei 3,9.

34 Prozent der TIA-Überlebenden und 55 Prozent der Patienten nach ischämischem Schlaganfall starben letztlich an einem Gefäßereignis. So scheint die Ursache für den ursprünglichen Schlaganfall, auch wenn dieser überstanden ist, den Patienten durch sein weiteres Leben zu begleiten, meinen die Autoren.

*FUTURE = The Follow-Up of Transient Ische mic Attack and Stroke Patients and Unelucidated Risk Factor Evaluation
**SMR = Quotient aus beobachteten und erwarteten Todesfällen während des Follow-up, unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Subtyp des Schlaganfalls

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