Jodmangel

EUthyroid setzt Standards in Europa

Mit der Etablierung der EUthyroid-Infrastruktur und Maßnahmen für den Vergleich zwischen Laboren wurden erste Schritte zur besseren Jodüberwachung der europäischen Bevölkerung unternommen.

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GREIFSWALD. Mit dem Forschungskonsortium "EUthyroid –Towards a euthyroid Europe!" hat eine europaweite Initiative die Herausforderung angenommen, den Jodmangel zu reduzieren.

Koordiniert von der Universitätsmedizin Greifswald und gefördert von der EU arbeiten Forscher aus 27 europäischen Ländern daran, Jodmangel und seine negativen gesundheitlichen Folgen zu überwinden, hat die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald mitgeteilt.

"Europa hat viel Erfahrung mit der Harmonisierung von Maßnahmen über Ländergrenzen hinaus, aber in der Jodprävention nützen wir diese Expertise nicht" wird Professor John Lazarus von der Universität Cardiff, regionaler Koordinator des "Iodine Global Network" in West- und Zentral-Europa, zitiert.

"Mit EUthyroid entsteht jetzt endlich eine Dynamik, die in deutlich effektiveren Präventionsmaßnahmen münden wird."

Das Iodine Global Network (IGN) (http://ign.org) verbindet mehr als 100 regionale und nationale Koordinatoren und Partner-Agenturen, die sich weltweit gegen Jodmangel engagieren.

Die IGN arbeitet eng mit der WHO und UNICEF zusammen und unterstützt öffentliche, private, wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Entwicklung und Durchführung globaler und nationaler Programme zur Prophylaxe von Schilddrüsenerkrankungen.

Standardisierte Studien zur Jodversorgung als Ziel

EUthyroid

EUthyroid verbindet 31 Partner aus 27 Ländern.

Das Forschungskonsortium "EUthyroid – Towards a euthyroid Europe!" will mit einem Budget von 3 Millionen Euro einen wesentlichen Beitrag zur Analyse des Status quo der Jodprophylaxe in Europa leisten.

Infos um Web: http://www.euthyroid.eu

In Europa sei die natürliche Jodzufuhr aufgrund vieler regionaler Unterschiede besonders heterogen, erinnert die Universität Greifswald in ihrer Mitteilung. Nur wenige Länder hätten eine regelmäßige Überwachung, aber diejenigen, die regelmäßig Studien durchführten, verwendeten unterschiedliche Methoden.

Der europäische Kontinent stelle somit einen komplexen Flickenteppich in Bezug auf Jodversorgung und Prophylaxe dar, der vergleichende wissenschaftliche Studien erschwert oder sogar unmöglich mache.

Epidemiologe und EUthyroid-Koordinator Professor Henry Völzke von der Universitätsmedizin Greifswald und sein Team haben daran gearbeitet, die Variablen der Studien in ganz Europa zu überwinden. Eine der Hauptaufgaben von EUthyroid war es, Werkzeuge und Trainings zu entwickeln, um standardisierte Studien zur Jodversorgung durchzuführen.

Jetzt stelle die Universitätsmedizin Greifswald eine neuartige Infrastruktur zur Verfügung, um eine harmonisierte Überwachung der Jodzufuhr voranzutreiben, so die Universität Greifswald in ihrer Mitteilung. Die umfassende Schulungsinfrastruktur unterstützte das Personal in Studien-Erhebungen nach einheitlichen Parametern. Sie umfasse:

- Standardisierte Fragebögen für Kinder und Erwachsene in mehreren Sprachen, um den sozioökonomischen Status von Studienteilnehmern zu ermitteln;

- ein Lehrvideo und eine schriftliche Anleitung, um in Bevölkerungsstudien Schilddrüsenultraschall anzuwenden; Teilnehmer können ihre Fähigkeiten in der Vermessung von Schilddrüsen an Beispielbildern testen und sich ihre Messungen gegen akzeptierte Standards vergleichen;

- Anleitungen für Laboruntersuchungen, die von der Blut- bzw. Urinentnahme bis hin zu den eigentlichen Messungen zur Bestimmung von Jod und Schilddrüsenparametern reichen. Zudem wurde ein zertifiziertes EUthyroid-Labor für vergleichende Messungen des Jodstatus etabliert.

"Unbefriedigende Situation endlich überwinden"

Da es in Europa bisher keine einheitlichen Daten zur Jodversorgung gegeben habe, hätten über den Umfang der Gesundheitsprobleme durch Jodmangel nur Vermutungen angestellt werden können. "EUthyroid eröffnet die Möglichkeit, diese unbefriedigende Situation endlich zu überwinden", so Völzke in der Mitteilung.

"Wir sind zuversichtlich, dass die Erhaltung dieser Infrastruktur über die Laufzeit des Projekts hinaus maßgeblich dazu beitragen wird, standardisierte Monitoring-Studien in Europa und sogar weltweit zu erreichen."

Mazedonien hat die EUthyroidInfrastruktur bereits genutzt, wie die Universität Greifswald berichtet. Der dortige nationale Koordinator vom EUthyroid-Projekt Professor Borislav Karanfilski sei überzeugt: "Die EUthyroid-Werkzeuge sind hervorragend und umfassen alle Aspekte der Einrichtung einer modernen Monitoring-Studie. Ich befürworte vom ganzen Herzen die Infrastruktur und kann jedem empfehlen, sie in vollem Umfang zu nutzen".

Eine positive Rückmeldung zur jetzt gegebenen Vergleichbarkeit von Daten zum Thema gebe es etwa auch von Dr. Iris Erlund vom Nationalen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt (THL) in Helsinki.

Das Laboratorium des THL, das sich auf Ernährungs- und klinisch-chemische Messungen aus Forschungsprojekten spezialisiert, dient als EUthyroid Referenzlabor.

Die meisten Regionen in der Welt seien ja laut WHO Jodmangelgebiete, erinnert die Universität Greifswald in ihrer Mitteilung. Jodmangel sei der wichtigste Risikofaktor für Schilddrüsenerkrankungen bei Erwachsenen und Kindern.

Tatsächlich sei Jodmangel die weltweit häufigste Ursache für vermeidbare Gehirnschäden und die WHO mahne seit Jahren, dass in Europa zunehmend Menschen von den Folgen eines Jodmangels betroffen seien.

Vor allem Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf an Jod, um eine optimale Entwicklung ihres Babys zu gewährleisten. Denn selbst leichter Jodmangel während der Schwangerschaft kann zu einer fehlerhaften Gehirnentwicklung mit verringerter Intelligenz führen. (mal)

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