Ärzte Zeitung online, 30.05.2014

USA

Masern-Importe erreichen 20-Jahres-Rekord

Die Masernzahlen in den USA haben ein neues Hoch erreicht. Das Problem sind Importe durch Reisende. Jetzt könnte für Ärzte die eigentlich hohe Durchimpfungsrate zum Problem werden.

ATLANTA. Die Zahl der Masernerkrankungen in den USA hat ein 20-Jahres-Hoch erreicht. Bis zum 23. Mai dieses Jahres hat die nationale Seuchenkontrollbehörde CDC in Atlanta 288 Fälle verzeichnet. Das sei der höchste Wert seit 1994, heißt es in einer Veröffentlichung von Donnerstagabend (MMWR 2014; 63(ER): 1-4).

Fast alle Fälle (97 Prozent) gehen den Angaben zufolge auf Importe von US-Reisenden aus anderen Ländern zurück. Als Quellländer verzeichnet die Behörde insgesamt 18 Staaten, wobei die Philippinen mit 22 nachgewiesenen importierten Erkrankungen den Hauptanteil stellen. Dort gibt es seit Oktober vergangenen Jahres einen größeren Masernausbruch.

Die absolute Mehrheit der Erkrankten war nicht geimpft - ein Verhältnis, wie es ähnlich auch bei dem Masernausbruch vergangenes Jahr in Bayern war. Nur bei zehn Prozent konnten die CDC-Experten eine Masernimpfung nachweisen. Jeder siebte Erkrankte musste stationär behandelt werden.

Die meisten Fälle verzeichnen die CDC im US-Bundesstaat Ohio. Dort sind 138 Menschen an Masern erkrankt. Laut der Behörde hält der dortige Ausbruch in einer Amish-Gemeinschaft noch an. Die dort lebenden Menschen lehnen aus religiösen Gründen eine Impfung ab.

Alarmiert sind die Seuchenexperten jedoch nicht nur wegen der vergleichsweise hohen Fallzahl, sondern wegen der Ärzte im Land. Denn ob der laut CDC relativ hohen Masern-Durchimpfungsrate - 91 Prozent der Kinder haben mindestens eine nachgewiesene MMR-Impfung erhalten - müssen die Ärzte kaum noch Masernfälle versorgen.

So könnte allerdings die Vigilanz bezüglich der typischen Symptome leiden, befürchten die CDC. "Viele Leistungserbringer haben noch nie einen Patienten mit Masern gesehen oder behandelt", sagte Dr. Anne Schuchat von den CDC. (nös)

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