Ärzte Zeitung, 28.01.2009

Klinikkeime: Linke fordert Hygiene-Ärzte

BERLIN (ble). Zur Vermeidung nosokomialer Infektionen fordert die Bundestagsfraktion der Linken eine bundesweit verpflichtende Regelung zur Einsetzung von Ärzten für Hygiene sowie von Hygienefachkräften nach dem Vorbild der Länder Berlin, Sachsen und Bremen. Zudem sollen die Gesundheitsämter für diese Aufgabe neues Personal einstellen, heißt es in einem Antrag der Fraktion. Darin fordert sie auch eine Meldepflicht für MRSA und andere gefährliche Krankenhauskeime.

Nach Angaben der Linken erleidet jeder 20. bis 30. Patient eine Krankenhausinfektion.

[17.04.2017, 18:00:27]
Martin P. Wedig 
Übersicht
MRSA-Infektionen zeigen eine Trendumkehr. Nach einem Maximum der Inzidenz im Jahr 2013 sind die Inzidenzen rückläufig (Tab.1). Übersicht wurde durch eine zentrale Erfassung gewonnen.

Tab. 1: MRSA-Meldefälle (Falldefinition C). Daten aus SurvStat.
2010 4,59
2011 5,16
2012 5,57
2013 5,42
2014 4,74
2015 4,39
2016 3,82

Wie verhält es sich aber mit Präventionsmaßnahmen? Besucher erhalten Kittel und Mundschutz, wohingegen die Fachkräfte ohne diese Maßnahmen das Krankenzimmer durcheilen. Vulnerable Patienten werden mit MRSA-Trägern auf einem Zimmer untergebracht. Spender für Desinfektionsmittel sind nahe der Isolierräume, sind im Eingangsbereich der Krankenhäuser, aber sie werden nicht genutzt. Die Handhygiene durch Waschen der Hände erfolgt nicht hinreichend. Todesfälle sind bei diesen Hygienelücken zwangsläufig die Folge und können auf die individuellen Bedingungen der Übertragung zurückverfolgt werden. Der Tod durch eine Krankenhausinfektion wird in Deutschland als natürliche Todesart bewertet.

Farbmarkierungen könnten die Anwendung von Desinfektionsmaßnahmen sichtbar machen. Elektronische Etiketten an der Schutzkleidung könnten die Wege von Personal nachvollziehbar machen. Eine kriminologische Aufarbeitung der 30-Tage-Letalität im Zusammenhang mit Infektionen könnte Veränderungsdruck bewirken. Eingaben zur Abstimmung im Parlament lenken die Aufmerksamkeit auf die beantragenden Parteien. Veränderungen müssen jedoch am Ort des Risikos bewirkt werden.
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