Ärzte Zeitung, 17.11.2017

Studie

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben.

Von Beate Schumacher

zur Galerie klicken

Staphylococcus-aureus: Das Risiko für eine Bakteriämie war unter Statin- Anwendung um fast 30 Prozent reduziert.

© Janice Haney Car / CDC

AALBORG. Aufgrund von In-vitro-Studien wird schon länger vermutet, dass zu den pleiotropen Effekten von Statinen auch eine antimikrobielle Wirkung gegen Staphylococcus (S.) aureus gehören könnte. Dänische Wissenschaftler haben nun erstmals Hinweise, dass dieser Zusatznutzen auch bei Patienten zutage tritt (Mayo Clin Proc 2017; 10: 1469–1478).

In einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie hatten Statinanwender ein um fast 30 Prozent reduziertes Risiko für eine ambulant erworbene S.-aureus-Bakteriämie (CA-SAB).

Die Mediziner um Jesper Smit von der Universität Aalborg haben für die Analyse medizinische Register genutzt, in denen etwa 1,8 Millionen Bewohner Dänemarks erfasst sind. 2638 Patienten mit erstmaliger CA-SAB wurden jeweils zehn Kontrollpersonen gleichen Alters und Geschlechts gegenübergestellt.

Von den CA-SAB-Patienten standen 14,0 Prozent, von den Kontrollpersonen nur 12,2 Prozent unter einer Statintherapie. Wurde die weitaus höhere Komorbidität der SAB-Patienten berücksichtigt, ergab sich für Patienten mit laufender Statintherapie ein um 27 Prozent reduziertes Risiko für eine CA-SAB.

Effekt nur bei Langzeitanwendern

Die Risikosenkung war allerdings nur bei Langzeitanwendern mit mehr als 90 Therapietagen signifikant, bei ihnen betrug sie 29 Prozent. Ob die Lipidsenker seit einem oder mehreren Jahren geschluckt wurden, machte aber keinen weiteren Unterschied.

Der mutmaßliche Schutzeffekt unterlag einer klaren Dosis-Wirkungs-Beziehung: Verglichen mit Nichtanwendern war das CA-SAB-Risiko bei einer Statindosis < 20 mg/d nicht signifikant um 16 Prozent, bei 20–39 mg/d signifikant um 29 Prozent und ab 40 mg/d um 37 Prozent reduziert.

Patienten mit chronischer Nierenerkrankung oder Diabetes erfuhren eine besonders ausgeprägte Risikosenkung um 49 beziehungsweise 35 Prozent – vermutlich wegen ihres erhöhten Ausgangsrisikos für CA-SAB.

Die geringere Rate von CA-SAB unter einer Statintherapie zeigte sich unabhängig von Alter und Geschlecht der Patienten und der Art des Statins.

Werden antibakterielle Stoffe produziert?

Statine sind offenbar in der Lage, Neutrophile und Makrophagen zur vermehrten Produktion von "antibakteriellen DNA-basierten extrazellulären Fallen" anzuregen, wie Smit und Kollegen berichten, und dadurch das Abtöten von S. aureus zu erleichtern.

Zusätzlich könnten Statin-induzierte Veränderungen in der Wirtszellmembran den Zelleintritt von S. aureus erschweren. Eine direkte antimikrobielle Wirkung halten die Mediziner für unwahrscheinlicher, weil sie bei erheblich höheren Statinkonzentrationen festgestellt wurde.

"Statine haben möglicherweise einen Platz in der Prävention von CA-SAB", so Smit und Kollegen. Dies gelte besonders für Personen mit chronischen Erkrankungen oder aus anderer Ursache hohem CA-SAB-Risiko. Der postulierte Schutzeffekt müsse aber noch in weiteren Studien bestätigt werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »