Ärzte Zeitung, 17.06.2004

Die WHO appelliert dringend an Deutschland, mehr zu impfen

STIKO-Vorsitzender Schmitt: Wir gehören zu den größten Masern-Exporteuren der Welt

MAINZ (htr). Das WHO-Regionalbüro für Europa appelliert dringend an Deutschland, mehr gegen Masern zu tun. Bis 2010 soll nach WHO-Plan die Zirkulation von Masernviren in der Region Europa unterbrochen werden. Deutschland liegt im Zentrum und hat nach Rußland die zweitgrößte Bevölkerung.

Eine verbesserte Masernkontrolle in Deutschland sei entscheidend für die Masernelimination in der Region, sagte Dr. John Spika von der WHO bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie in Mainz. Für die Elimination von Masern sind Impfraten von mindestens 95 Prozent für beide Impfdosen erforderlich. Die zweite Impfung erhalten in Deutschland aber bisher nur etwas über 30 Prozent. Deshalb erwartet die WHO weitere Epidemien in Deutschland.

"Wir ermutigen Deutschland mit Nachdruck, sein Masern-Kontroll-Programm zu verstärken und die nächste Epidemie zu verhindern", so Spika. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Professor Heinz-J. Schmitt aus Mainz, ergänzte: "Wir gehören zu den größten Masern-Exporteuren in der Welt."

Das Problem sei der Bevölkerung nicht bewußt. 2001 und 2002 seien in Deutschland wahrscheinlich bis zu 80 000 Menschen an Masern erkrankt. Die nächste Epidemie komme bestimmt, sollten die Impfraten speziell in Westdeutschland nicht deutlich steigen. Die WHO habe detaillierte Strategien ausgearbeitet, wie Masern eliminiert werden könnten. "Was fehlt ist der politische Wille, dies umzusetzen", so Schmitt.

Weitere Informationen im Internet unter www.euro.who.int

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