Ärzte Zeitung, 07.02.2007

Sorge wegen Vogelgrippe wächst

Angestellte von Geflügelfarm in England lassen sich behandeln / 150 000 Puter gekeult

LONDON (ast). In Großbritannien sind als Reaktion auf die Fälle von Vogelgrippe bei Truthähnen in den vergangenen Tagen etwa 60 Angestellte einer großen Geflügelfarm mit dem antiviral wirksamen Medikament Tamiflu® behandelt worden.

In vielen europäischen Ländern, wie hier auf einer Geflügelfarm in den Niederlanden, werden Vorsichtsmaßnahmen gegen die Vogelgrippe getroffen. Foto: dpa

Auf der Geflügelfarm in der Grafschaft Suffolk war das H5N1-Virus entdeckt worden. Die britischen Behörden wiesen die Bevölkerung gestern abermals darauf hin, dass es "höchst unwahrscheinlich" sei, dass das Vogelgrippe-Virus eine Gefahr für den Menschen darstelle.

Trotz der beruhigenden Worte der Londoner Regierung ließen sich mehrere dutzend Mitarbeiter der Geflügelfarm von Ärzten vorsorglich mit dem Grippemittel behandeln. "Wir wollen auf Nummer sicher gehen, nicht krank zu werden", sagte einer der Mitarbeiter zu Journalisten.

Die Gesundheitsbehörden hatten Ende vergangener Woche in der Nachbarschaft der Geflügelfarm in Halesworth ein "Notfallzentrum" eingerichtet. Dort können sich besorgte Menschen ärztlichen Rat und antiviral wirksame Medikamente abholen.

Hausärzte in der Region Suffolk berichten, dass viele besorgte Patienten entweder persönlich in die Sprechstunde kommen, um sich über die gesundheitlichen Gefahren des H5N1-Virus zu informieren, oder in der Praxis anrufen. Kleinere Primärarztpraxen sind oftmals personell überfordert, die vielen Anfragen zu beantworten.

Unterdessen ist die Keulung von mehr als 150 000 Truthähnen auf der Farm in Suffolk mehr oder weniger abgeschlossen. Die letzten gekeulten Vögel wurden am Montag mit großen Lastkraftwagen in eine Verbrennungsanlage in der Grafschaft Staffordshire gefahren. Das wurde zum Medienspektakel.

Wie gestern bekannt wurde, geht die Suche nach der Infektionsquelle weiter. Keiner der Puter hat nach Angaben der Betreiberfirma jemals das Freiland gesehen. Eine mögliche Erklärungsursache ist, dass Mitarbeiter das Virus über Vogelfäkalien unter der Schuhsohle in die Ställe getragen haben. Das ist allerdings bislang lediglich eine Vermutung. Unklar ist auch, warum es fast 48 Stunden dauerte, bis die ersten Todesfälle an die Behörden gemeldet wurden.

Obwohl es bislang keine neuen H5N1-Erkrankungen gibt und rund um die Geflügelfarm eine zehn Kilometer umfassende Quarantäne-Zone gelegt wurde, fürchten Experten Millionenverluste für die britische Geflügelwirtschaft.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »