Direkt zum Inhaltsbereich

Unerfüllter Kinderwunsch

Künstliche Befruchtung erhöht Geburtsrisiken nicht

Anders als bisher geglaubt, erhöht eine künstliche Befruchtung nicht das Risiko einer Frühgeburt oder von niedrigem Geburtsgewicht. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

Veröffentlicht:
Künstliche Befruchtung. Für so gezeugte Babys bestehen erhöhte Gesundheitsgefahren. Doch es liegt wohl nicht am Verfahren.

Künstliche Befruchtung. Für so gezeugte Babys bestehen erhöhte Gesundheitsgefahren. Doch es liegt wohl nicht am Verfahren.

© vectorfusionart / stock.adobe.

ROSTOCK. Paare, die bislang eine künstliche Befruchtung erwogen haben, sahen sich bislang häufig mit dem ärztlichen Hinweis auf mögliche Risiken für das Baby konfrontiert. Warnhinweise betrafen etwa ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt (vor der 37. Woche) oder ein niedriges Geburtsgewicht (weniger als 2500 Gramm). Einer aktuellen Analyse zufolge, publiziert im Fachjournal „The Lancet“ (Doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31863-4), liegt das aber wohl nicht an der Methode selbst.

Entscheidend seien vermutlich vielmehr Faktoren, die Paare mit Empfängnisproblemen generell betreffen, hieß es am Dienstag vom Rostocker Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR). Wissenschaftler des MPIDR) hatten zusammen mit Forschern der London School of Economics und der Universität Helsinki eine große Zahl finnischer Geschwister analysiert und dabei – anders als in älteren Veröffentlichungen – keine Erhöhung der Risiken mehr gefunden.

Neue IVF-Erkenntnisse durch Vergleich von Geschwistern

Frühere Studien waren zu abweichenden Ergebnissen gekommen, teils ergaben sich stark erhöhte Geburtsrisiken bei künstlicher Befruchtung. Die Auswertungen beruhten häufig auf unausgewogenen statistischen Methoden und auf Grundlage weniger Geburten, hieß es dazu von den Rostocker Forschern.

Ausgewertet wurden dafür die Daten von zwischen 1995 bis 2000 in Finnland geborenen 1245 Kindern – jeweils Geschwister, von denen mindestens eines natürlich und eines mittels künstlicher Befruchtung gezeugt wurde. Da die Eltern sich von einer Geburt zur nächsten kaum verändert hätten, sei ein Vergleich der Geburtsrisiken allein mit Blick auf den Eingriff möglich gewesen. „Denn dieser war der einzige wesentliche Unterschied zwischen den Geburten“, hieß es.

Erhöhtes Gesundheitsrisiko bleibt per se

Die Autoren weisen darauf hin, dass Kinder, die nach künstlicher Befruchtung geboren werden, dennoch ein höheres Risiko für niedriges Geburtsgewicht und Frühgeburt haben als Babys, die auf natürlichem Weg gezeugt wurden. Die Gründe für dieses per se erhöhte Risiko sind nicht genau bekannt.

„Vermutlich spielt die reduzierte Fruchtbarkeit selbst eine Rolle“, sagt Alice Goisis, MPIDR-Mitautorin der Studie. Auch wenn dieses ohnehin vorhandene gesteigerte Risiko für die Paare belastend sei, so mache das Ergebnis der Lancet-Studie doch einen großen Unterschied: „Bei der Entscheidung für eine künstliche Befruchtung muss nun niemand mehr das Gefühl haben, damit willentlich die Gesundheit des Kindes zusätzlich zu gefährden“, so die Forscherin.

Halbe Million Babys durch künsrtliche Befruchtung

Frühgeborene und Kinder mit geringem Geburtsgewicht haben häufiger Atembeschwerden oder Herzprobleme, die Entwicklung des Gehirns und der kognitiven Fähigkeiten kann beeinträchtigt sein. Allein in Deutschland unterziehen sich jährlich Zehntausende Frauen einer künstlichen Befruchtung. Weltweit werden inzwischen geschätzt mehr als eine halbe Million Babys jährlich nach einer künstlichen Befruchtung geboren. (run/dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt

1. Preis Charity Award 2026

Trotz Klinikaufenthalts: Einfach mal nur Kind sein

Das könnte Sie auch interessieren
Influenza-Risikopatienten systematisch identifizieren

© manusapon kasosod | Getty Images (mit KI bearbeitet)

Impfen in der Praxis

Influenza-Risikopatienten systematisch identifizieren

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Eine Patientenplattform als Ergänzung des Impfgesprächs

© Getty Images/Tetra images RF

Grippeschutz für alle

Eine Patientenplattform als Ergänzung des Impfgesprächs

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

© Lu ShaoJi | Getty Images

Grippeimpfstoff-Forschung

Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rückblick

Ein Jahr Alzheimer-Antikörper: Was sich getan hat

Lesetipps
Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt