Ärztliche Allgemeine, 12.12.2005

Überlebensraten bei Krebs haben sich verbessert

In Deutschland sind Männer, bei denen Krebs diagnostiziert wird, im Durchschnitt 66 und Frauen 67 Jahre alt. Immer noch ist die Teilnahme an Krebs-Früherkennungsprogrammen unbefriedigend. Dennoch sind die Chancen, Krebs zu überleben, größer geworden.

Ultraschalluntersuchung einer weiblichen Brust. Bei Frauen ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung. Foto: Imago

Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich wird nach Schätzungen bei etwa 200  000 Männer und 195 000 Frauen Krebs diagnostiziert. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 66 und für Frauen bei 67 Jahren. Knapp 210 000 starben im Jahr 2003 an den Folgen einer Krebserkrankung. Das sind etwa ein Viertel aller Todesfälle.

Bei Männern steht der Prostatakrebs mit einem Anteil von 20,3 Prozent an der geschätzten Zahl der Krebsneuerkrankungen an erster Stelle. Das sind 40 600 Neuerkrankungen pro Jahr. An zweiter Stelle steht der Darmkrebs mit einem Anteil von 16,3 Prozent, das sind 32 600 Neuerkrankungen, es folgt der Lungenkrebs mit 15,9 Prozent oder 31 800 Neuerkrankungen.

210 000 Menschen sterben jedes Jahr an Krebs

Bei den Frauen steht der Brustkrebs mit einem Anteil von 24,4 Prozent an erster Stelle: Jedes Jahr erkranken 47 000 Frauen. Danach folgt auch bei Frauen der Darmkrebs mit einem Anteil von 17,6 Prozent oder 34 200 Neuerkrankungen.

Am Krebs sterben in Deutschland jedes Jahr rund 110 000 Männer und 100 000 Frauen. Bei den Männern steht der Lungenkrebs mit einem Anteil von 26,8 Prozent (29 100 Todesfälle) mit Abstand an erster Stelle der Krebssterbefälle. Bei den Frauen ist der Brustkrebs mit einem Anteil von 17,8 Prozent (17 800 Todesfälle) häufigste Todesursache.

Prostata- und Brustkrebs liegen vorn
Anteil der Krebsneuerkrankungen in Deutschland 2000 in Prozent
Die Rangliste der Krebsneuerkrankungen: Darmkrebs steht sowohl bei Frauen als auch bei Männern weit oben.

Seit den 70er Jahren gibt es insgesamt eine Verbesserung der Überlebensraten. Dabei muß aber berücksichtigt werden, daß es Krebsarten mit günstigen 5-Jahres-Überlebensraten und andere mit weniger günstigen Prognosen gibt. So haben der Rückgang des Magenkrebses mit schlechteren Überlebensraten und die Zunahme von Darmkrebs mit besseren Prognosen zu der insgesamt besseren Überlebensrate beigetragen.

Auch Früherkennung und Diagnostik sind von großer Bedeutung. Der Anteil von Lungen- und Speiseröhrenkrebs mit ungünstigen Überlebensaussichten bei Männern zum Beispiel fällt. Bei Frauen steigt der Anteil der Brustkrebserkrankungen mit günstiger Prognose - auch dank der Früherkennung. Allerdings nahmen 2003 nur knapp 50 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen an Früherkennungsprogrammen teil, mit sinkenden Raten im höheren Alter. Derzeit wird stufenweise ein flächendeckendes Mammographie-Screening für Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren eingeführt.

Das sind die Trends bei einzelnen Krebsformen:

Beim Prostatakrebs wurde seit Ende der 80er Jahre ein steiler Anstieg der Neuerkrankungsraten beobachtet, der in jüngster Zeit abzuflauen scheint. Der Anstieg wird im wesentlich auf den Einsatz neuer Diagnostikmethoden zurückgeführt, wie die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA).

Nachdem in Autopsie-Studien bei sehr vielen über 70jährigen Männern unentdeckte und symptomlose Prostatakarzinome gefunden wurden, geht es jetzt darum, bei der Früherkennung diagnostisch zwischen behandlungsbedürftigen und nicht oder noch nicht zu behandelnden Fällen zu unterscheiden.

Seit Mitte der 90er Jahre geht die Zahl der neu an Brustkrebs erkrankten Frauen und auch die Mortalitätsrate leicht zurück. Wissenschaftler raten jedoch zur Zurückhaltung bei der Interpretation der Daten, da es in dieser Zeit Veränderungen in der Todesursachenstatistik gegeben hat.

Beim Darmkrebs steigen die Erkrankungsraten seit Jahren, wobei der Anstieg zunehmend geringer ausfällt. Im Gegensatz dazu nehmen die Sterberaten bei Männern und Frauen seit Mitte der 70er Jahre kontinuierlich ab.

Beim Lungenkrebs wurden bei Männern die höchsten Raten an Neuerkrankungen Mitte der 70er bis Ende der 80er Jahre erreicht. Seitdem gibt es hier einen rückläufigen Trend. Bei Frauen steigt die Rate der Neuerkrankungen hingegen weiterhin kontinuierlich an.

Grund für die unterschiedlichen Trends sind veränderte Rauchgewohnheiten bei Männern und Frauen. Bei Männern werden bis zu 90 Prozent der Lungenkrebserkrankungen auf das aktive Rauchen zurückgeführt, bei Frauen sind es schätzungsweise etwa 60 Prozent.

Zu den Risikofaktoren einer Krebserkrankung gehören nach Angaben aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes vor allem zivilisationsbedingte Lebensumstände: 25 bis 30 Prozent aller Krebstodesfälle werden auf das Rauchen zurückgeführt. Zwischen 20 und 40 Prozent werden auf falsche Ernährungsweisen, wie Überernährung, ein zu hoher Anteil tierischen Fetts und einen zu geringen Anteil von Vitaminen, Mineralien und von Obst und Gemüse zurückgeführt.

Zu den bedeutendsten Risikofaktoren gehören aber auch erhöhter Alkoholgenuß, Expositionen am Arbeitsplatz und Umwelteinflüsse, wie etwa Sonnenstrahlung, Radon oder auch das Passivrauchen in Innenräumen. (sto)

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