DGIM-Kongress

Der Weg zur individualisierten Onkologie

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Alle reden über individualisierte Krebsmedizin und es existieren mehr und mehr zielgerichtete Therapieansätze. Doch bei deren Fortentwicklung und Umsetzung in die Praxis gilt es viele Hürden zu überspringen.

WIESBADEN. Die umfangreichen Untersuchungen zu individuellen Mustern von Genveränderungen in Tumorgeweben bereiteten den Boden für die individualisierte Onkologie, sagt Professor Otmar Wiestler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Es sei erstaunlich, wie oft man im Zuge solcher Untersuchungen auf Gene, Gengruppen oder Signalwege stoße, für die bereits heute Behandlungsansätze existierten. Hinzu kommen Erkenntnisse darüber, wie sich Tumoren gegen das Immunsystem wehren - tumorspezifische Antigene sind potenzielle Ziele für das Immunsystem und es können Medikamente entwickelt werden, die den Tumor vulnerabler für das körpereigene Abwehrsystem machen oder die eine Immunantwort induzieren.

Allerdings gibt es Hindernisse auf dem Weg zur individualisierten Krebstherapie. Da sind zum einen die ungeheuren Datenmengen, von denen man noch nicht weiß, wie man damit umgehen soll. Im Zusammenhang mit der prädiktiven Krebsdiagnostik stehen ungeklärte ethische und medizinische Probleme im Raum, etwa zum Datenschutz, zum Persönlichkeitsrecht, zu Informationspflichten und Informationsrechten sowie zur gerechten Allokation verfügbarer Ressourcen.

Des Weiteren ergeben sich aus der Forschung zwangsläufig immer mehr Subtypen einer Krankheitsentität, die wissenschaftlich separat untersucht werden müssen. Die Patientengruppen werden also kleiner, dennoch müssen statistisch saubere und klinisch relevante Ergebnisse erzielt werden.

Forschung muss am Versorgungsbedarf ausgerichtet werden

Und weil mit Monotherapien oft keine durchschlagenden Erfolge zu erwarten sind, werden neue und herkömmliche Therapiemaßnahmen miteinander kombiniert. Auch diese Kombinationen von Medikamenten oder Behandlungsmethoden verschiedener Hersteller erfordern die wissenschaftliche Evaluation.

"Bei vielen Studien, die die Patienten weiterbringen würden, geht es nicht um Zulassung, und damit findet sich kein Sponsor", sagte Professor Michael Hallek von der Universität Köln beim 31. Deutschen Krebskongress in Berlin.

Es bedarf einer am Versorgungsbedarf ausgerichteten Forschung. Die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe fordern daher eine nachhaltige Finanzierungsinfrastruktur für akademisch getriebene klinische Studien.

Im Moment bremsten die überbordende Bürokratie für solche Studien und fehlende finanzielle Mittel die akademische Forschung aus. Gedacht wird an einen Finanzierungspool, der sich aus mehreren Quellen speist, etwa des Bundes, der Industrie sowie der Kostenträger.

Ein weiterer Knackpunkt: Der Wissens- und Technologietransfer in die Praxis: Mitunter dauert es Jahre, bis diagnostische Maßnahmen wie etwa Multigensignaturen bei Brustkrebs erstattungsfähig werden und bis den Patienten neue Therapiekonzepte zugute kommen. Zudem braucht es eine adäquate Qualitätssicherung in den Diagnose- und Therapiezentren. Auch diese, kritisieren Onkologen, ist vielfach unzureichend. (ner)

Plenarvortrag "Krebsforschung und Onkologie auf dem Weg zur Individualisierten Krebsmedizin" am 28. April von 11:45 bis 12:15 Uhr, Halle 1, 120. DGIM-Kongress, Wiesbaden

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