Ärzte Zeitung online, 21.06.2018

Genfusion

Seltene Mutation macht Pankreas-Ca angreifbar

Wissenschaftler haben eine therapeutisch relevante Mutation bei Patienten mit Pankreaskarzinom entdeckt. Krebszellen mit dieser Besonderheit lassen sich wohl mit bereits zugelassenen Medikamenten behandeln.

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Mithilfe der Hochdurchsatzsequenzierung entdeckten Forscher eine Besonderheit im Genom von Zellen eines Pankreaskarzinoms.

©NCT / Philip Benjamin

HEIDELBERG / DRESDEN. Die Entdeckung wachstumsfördernder Genfusionen in Tumoren des Pankreas eröffnet neue Ansätze für zielgerichtete Therapien. Patienten, deren Tumor diese spezielle Veränderung zeigt, können vom Einsatz bestimmter Medikamente profitieren, wie Wissenschaftler des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Dresden und des NCT Heidelberg herausgefunden haben.

Zu den häufigsten genetischen Veränderungen bei einem Pankreas-Ca zählen ja Mutationen im sogenannten KRAS-Gen, erinnert das NCT Dresden und das NCT Heidelberg in einer gemeinsamen Mitteilung. Diese bewirken, dass die Tumorzellen sich unablässig teilen.

Nicht jeder Tumor des Pankreas trage jedoch diese Mutation: So fanden die Forscher um Dr. Christoph Heining vom NCT Dresden in mehreren Fällen bestimmte Genfusionen (Canc Discov 2018; online 25. Mai)

Hierbei war jeweils ein Teil des sogenannten NRG1-Gens mit dem Teil eines anderen Gens verschmolzen. Anders als KRAS-Mutationen seien Krebszellen, die solche fusionierten Gene enthalten, durch bestimmte Medikamente angreifbar, so das NCT.

Genetische Besonderheit

In der Studie wurden mittels detaillierter molekularer Analysen Proben einer Gruppe junger Patienten im Alter zwischen 24 und 49 Jahren untersucht. Für diese Altersgruppe lägen nur wenige Daten zu den genetischen Grundlagen von Pankreaskarzinomen vor, da diese Tumoren meist bei Männern und Frauen ab 65 Jahren diagnostiziert werden.

"Bei vier der 17 untersuchten Patienten haben wir anstelle einer KRAS-Mutation eine andere genetische Besonderheit festgestellt: Wir fanden bestimmte Genabschnitte, die mit anderen verschmolzen waren", wird Studienautor Professor Hanno Glimm vom NCT Dresden in der Mitteilung zitiert.

Zum Tumorwachstum führen Genfusionen ja dann, wenn ein normalerweise streng reguliertes wachstumsförderndes Gen mit einem anderen Genabschnitt verschmilzt, der besonders aktiv ist und so die Regulation aufhebt.

Zielgerichtete Medikamente

Tumoren des Pankreas mit KRAS-Mutationen sprächen kaum auf Medikamente an, heißt es in der Mitteilung. Dagegen ließen sich Krebszellen mit den spezifischen Genfusionen mit zugelassenen Wirkstoffen – so genannten Tyrosinkinase-Inhibitoren oder auch Antikörpern – therapeutisch angreifen. Dies ermögliche weitere Optionen für die Behandlung dieser Patienten.

So hätten zwei der Patienten entsprechend der genetischen Veränderungen mit zielgerichteten Medikamenten behandelt werden können. Bei beiden bildeten sich die Lebermetastasen zeitweise zurück, zu einem Zeitpunkt, als andere Therapien die Krankheit nicht mehr kontrollieren konnten.

Vergleichende Analysen an vorhandenem Datenmaterial deuteten zudem darauf hin, dass Genfusionen auch bei älteren Patienten zur Entstehung eines Pankreaskarzinoms beitragen könnten.

Wie eine optimale Therapie mit zielgerichteten Medikamenten aussehen könnte, soll nun in einer Studie an beiden NCT-Standorten genauer ermittelt werden. (eb)

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