Ärzte Zeitung, 13.09.2005
 

Erlotinib verlängert bei Bronchial-Ca-Patienten das Leben

Ermutigende Ergebnisse mit Enzymhemmer bei Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkrebs / Placebo-kontrollierte Studie

TORONTO (ner). Erlotinib verlängert bei Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Bronchial-Ca das Leben und verzögert das Auftreten von Symptomen. Dies geht aus den Ergebnissen einer jetzt veröffentlichten Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie hervor.

An der Studie nahmen 731 Patienten teil (wir berichteten). Zwei Drittel der mindestens einmal zuvor chemotherapeutisch behandelten Patienten im späten Stadium IIIB oder IV hatten den Hemmstoff des Enzyms Tyrosinkinase erhalten, ein Drittel Placebo (NEJM 353, 2005, 123).

8,9 Prozent der Patienten sprachen auf die Therapie an, in der Placebo-Gruppe waren es weniger als ein Prozent. Die Gesamtüberlebensrate verlängerte sich um durchschnittlich zwei Monate auf 6,7 Monate, berichten Dr. Frances A. Shepherd aus Toronto in Kanada und ihre Kollegen.

Nach einem Jahr lebten noch 31 Prozent der Patienten in der Verum-Gruppe und 22 Prozent in der Placebo-Gruppe. Die Zeit bis zum Auftreten von Husten, Luftnot und Schmerzen verlängerte sich ebenfalls um etwa zwei Monate im Vergleich zu Placebo.

Erlotinib hemmt einen für Lungenkrebszellen wichtigen Signalweg, und zwar über den Wachstumsfaktor-Rezeptor HER1/EGFR (epidermal growth factor receptor). Allerdings ist die Fehlregulation oder übermäßige Synthese des Rezeptors nicht Voraussetzung dafür, daß das Medikament wirkt. Zwar reagierten Patienten mit vermehrter EGFR-Rezeptor-Bildung etwas besser, der Unterschied zu anderen Patienten war jedoch nicht signifikant.

Eine Mutations-Analyse sei deshalb für die Auswahl der für eine Erlotinib-Therapie geeigneten Patienten nicht notwendig, so Shepherd. Die Ansprechraten waren am höchsten bei Asiaten, Frauen, Patienten mit Adenokarzinom sowie bei Patienten, die nie geraucht hatten.

Bei 19 Prozent der Erlotinib-Patienten war es erforderlich, wegen toxischer Wirkungen die Dosis zu reduzieren, meist wegen Hautausschlägen oder Diarrhoe. Fünf Prozent der Patienten mußten das Medikament deswegen absetzen.

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