Ärzte Zeitung, 04.02.2015

Welt-Krebstag

Lungenkrebs überholt Brustkrebs bei Frauen

Lungenkrebs wird in Europa künftig offenbar auch bei Frauen zur häufigsten Krebstodesursache. Bei anderen Krebsformen gehen die Todesfälle aber zurück.

Von Thomas Müller

Lungenkrebs überholt Brustkrebs bei Frauen

MAILAND. Nachdem Frauen beim Rauchen gegenüber Männern deutlich aufgeholt haben, wird es Lungenkrebs künftig auch bei ihnen auf Platz eins der häufigsten Krebstodesursachen in der EU schaffen.

Diese Prognose wagen jedenfalls Epidemiologen um Dr. Matteo Malvezzi von der Universität in Mailand.

Sie haben die Todesursachenstatistiken der WHO sowie einzelner europäischer Länder aus den vergangenen Jahren ausgewertet und mit Blick auf das Bevölkerungswachstum und die Bevölkerungsalterung daraus Prognosen für das aktuelle Jahr abgeleitet (Ann Oncol 2015; online 27. Januar).

Danach wird der Lungenkrebs den Brustkrebs zwar noch nicht bei der absoluten Zahl der krebsbedingten Todesfälle unter Frauen überholen, aber bei der altersstandardisierten Sterblichkeit.

Bei dieser Berechnung wird die Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt: Steigt das Durchschnittsalter, wie es derzeit der Fall ist, sind automatisch mehr Krebsfälle zu erwarten, vor allem solche, die eher im höheren Alter auftreten.

Nach der aktuellen Prognose werden in diesem Jahr in der EU pro 100.000 Frauen 14,24 an Lungenkrebs sterben und geringfügig weniger (14,22) an Brustkrebs.

Mortalität bei anderen Tumorarten geht zurück

Doch auch in absoluten Zahlen zeichnet sich in der Prognose ein Wechsel ab: Starben 2009 noch 90.400 Frauen an Brust- und 74.300 an Lungenkrebs, so haben sich die Angaben in der aktuellen Prognose deutlich angenähert.

Für 2015 werden 90.800 Brustkrebs- und 87.500 Lungenkrebstote vorhergesagt, spätestens im nächsten Jahr sterben bei fortgesetztem Trend wohl auch absolut mehr Frauen an Lungen- als an Brusttumoren.

Insgesamt ist die altersspezifische Mortalität an Brustkrebs bei Frauen seit 2009 um etwa neun Prozent gestiegen. Dagegen sieht es bei anderen Tumorarten recht positiv aus: Die Mortalität geht stetig zurück.

Voraussichtlich werden in diesem Jahr nur noch knapp 84 von 100.000 Frauen an einem Tumor sterben, im Jahr 2009 waren es noch rund 90. Hier machen sich offenkundig die Fortschritte bei Diagnose und Therapie bemerkbar.

Von solchen Werten können Männer nur träumen: Schätzungsweise 138 von 100.000 werden 2015 an einem Tumor sterben, doch auch hier ist die Mortalität seit dem Jahrtausendwechsel rückläufig - in den 1990er Jahren wurden in der EU noch über 180 Krebstote auf 100.000 Männer gezählt.

Die mit Abstand häufigste Krebstodesursache ist der Lungentumor: Bei knapp 192.000 Männer wird die Zahl der Todesfälle in diesem Jahr liegen, jeder vierte männliche Krebstote geht auf sein Konto, und die Sterberate liegt mit 36 pro 100.000 Einwohner mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen.

In Deutschland weist das Statistische Bundesamt für 2013 insgesamt 223.842 Krebs-Todesfälle aus. Auch bei uns gab es bei Frauen den stärksten Anstieg krebsbedingter Sterbefälle durch Lungenkrebs.

Binnen 30 Jahren stieg die Zahl der jährlich an Lungen- und Bronchialkrebs gestorbenen Frauen von 5491 auf 15.370 an.

[04.02.2015, 21:20:26]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Zur Statistik
Bei Diagnose, Inzidenz oder Prävalenz (Zahl der Krebsfälle) und Mortalität gibt es z.T. große Unterschiede, die bei Krebs, der eigentlich per definitione ohne Therapie immer tödlich ist,
die Heilungsrate ausdrücken.
So ist sowohl der Brustkrebs bei Frauen und auch der Dickdarmkrebs bei beiden Geschlechtern sicher wesentlich häufiger als der Lungenkrebs, aber nicht die Mortalität, da die Behandlung von Lungenkrebs bis heute nur wenig quo ad vitam ändern kann.
Der Rückgang der Sterblichkeit an Krebs ist also in erster Linie ein Therapieerfolg bei den meisten Krebsformen außer dem Lungenkrebs, hier spielt bei den Männern der Rückgang der Raucher die entscheidende Rolle.
Statt dessen stirbt man (Frau) vermehrt an cardiovaskulären Erkrankungen.
mfG zum Beitrag »
[04.02.2015, 19:05:24]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Die Statistik ist schon völlig in Ordnung!
Eigentlich gelten doch Frauen als vernünftiger als Männer,
wie man sich täuschen kann :-) zum Beitrag »
[04.02.2015, 08:43:51]
Steffen Jurisch 
die Statistik...
ist doch immer wieder ein lustiges Kind ;-)
Natürlich sieht es schön aus, wenn man sagen kann, dass…" Voraussichtlich werden in diesem Jahr nur noch knapp 84 von 100.000 Frauen an einem Tumor sterben, im Jahr 2009 waren es noch rund 90."
doch sagen diese Zahlen gar nichts darüber aus, wieviel Krebsfälle es überhaupt gab. Denn wenn die Krebszahl ständig steigt, dann hilft auch die Senkung der Todesfälle pro 100.000 nicht viel, denn die Gesamttodeszahlen aufgrund von Krebs ist dann trotzdem gestiegen.
Also Nachbessern würde ich dem Autor zurufen wollen. Bitte liefern Sie doch konkrete Zahlen und nicht diese weißgefärbten statistischen Prozentzahlen…. grrrrr. zum Beitrag »

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