Ärzte Zeitung online, 29.05.2019

Hautkrebsreport der TK

Hautkrebs wird häufiger, aber die Vorsorge schwächelt

Die Zahl der Hautkrebs-Neuerkrankungen ist zwischen 2009 und 2015 deutlich gestiegen. Dennoch erweisen sich die Deutschen als Früherkennungs-Muffel. Das geht aus dem Hautkrebsreport 2019 hervor.

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Hautkrebs. Zu spät erkrannt, verläuft er auch heute noch häufig tödlich. Experten raten daher zum regelmäßigen Screening.

© [M] Frau: Antonyuk | Hand mit Lupe: Nikolai Sorokin / fotolia | Melanom:

BERLIN. Mit rund 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Hautkrebs – gemeint sind hier alle Formen, die aus bestimmten Zellen der Haut entstanden sind und die im Zuge ihrer Zellteilung entarteten – die häufigste Krebserkrankung in Deutschland.

Bei jeder siebten Erkrankung handelt es sich dabei um das gefährliche maligne Melanom, den schwarzen Hautkrebs, wie die TK in ihrem Hautkrebsreport 2019 berichtet. Dieser wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt.

In den Jahren 2009 bis 2015 nahmen danach der helle Hautkrebs (im wesentlichen Plattenepithelkarzinome und Basalzellkarzinome) um über 50 Prozent und der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) um über 30 Prozent zu.

Die Möglichkeit zu einem kostenlosen Hautkrebsscreening bei einem Haus- oder Hautarzt nutzte allerdings im Zeitraum zwischen 2015 und 2017 jährlich nur jeder fünfte gesetzlich Versicherte.

Wo es häufig Hautkrebs in Deutschland gibt

Die Daten, die das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und die Universität Bremen zusammen mit der Techniker Krankenkasse (TK) zusammengefasst haben, verdeutlichen zudem regionale Unterschiede.

Nordrhein-Westfalen mit fast 48.000, Bayern mit rund 33.000 und Baden-Württemberg mit 26.000 Fällen sind dem Report zufolge diejenigen Länder, wo Hautkrebs am häufigsten dokumentiert ist.

Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl verzeichnen Hessen (21.500), Niedersachsen (23.000) und Thüringen (6.000) die meisten Erkrankten (siehe nachfolgende Karte).

Auch bei den Screenings zeigen sich regional Auffälligkeiten: Die Berliner, Thüringer und Sachsen-Anhaltiner sind dabei besonders „früherkennungsfaul“– dort gehen weniger als 17 Prozent der gesetzlich Versicherten pro Jahr zum Screening.

Mögliche Erklärungsansätze können Unterschiede im sozioökonomischen Status sein, die Dichte niedergelassener Dermatologen und die unterschiedliche Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen“, so Professor Matthias Augustin, Dermatologe am UKE und Herausgeber des Reports. In den letzten Jahren sei zudem das geänderte Freizeitverhalten als Auslöser für Hautkrebs in den Fokus gerückt.

Der Anstieg an Reisen in Sonnen-Regionen und die Zunahme an Outdoor-Aktivitäten sieht der Experte als einen möglichen Grund für die hohen Diagnosezahlen von schwarzem Hautkrebs an.

Warum Frauen um die 50 besonders oft Melanome haben

Besonders von Hautkrebserkrankungen betroffen ist nach den Angaben von Augustin die Altersgruppe der 75- bis 79-Jährigen. Von ihnen erkranken dem Report zufolge durchschnittlich 843 von 100.000 Versicherten im Jahr an schwarzem Hautkrebs.

Zum Vergleich: Bei den 20- bis 24-Jährigen sind es nur 41 von 100.000 Versicherten. Bis zu einem Alter von 60 Jahren erkranken mehr Frauen an einem malignen Melanom als Männer. Danach kehrt sich das Bild um.

„In der Altersgruppe der 45- bis 54-jährigen Frauen ist ein deutlicher Anstieg an Diagnosen mit schwarzem Hautkrebs zu erkennen. Ursachen könnten eine vermehrte Nutzung von Sonnenbänken und häufiges Sonnenbaden in früheren Jahren sein“, erläutert Augustin in einer Mitteilung der TK.

„ Wir wollen für das Thema sensibilisieren und aufklären, wie man gerade im Sommer bewusst mit der Sonne umgeht“, wird Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse in der Mitteilung zitiert.

Und weiter: „Gerade weil die Früherkennung so wichtig ist, raten wir, die kostenlosen Hautkrebsscreenings regelmäßig wahrzunehmen. Gesetzlich Versicherte haben alle zwei Jahre Anspruch auf eine Untersuchung.“

Die TK biete ihren Versicherten diese Leistung sogar bereits ab dem 20. Lebensjahr an. Regulär übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für Hautkrebsscreenings erst ab dem 35. Lebensjahr.

KI unterstützt hilft bei der Diagnose

Baas prognostiziert, dass moderne Technik Ärzte zukünftig dabei unterstützen werde, bösartige Hautveränderungen noch zuverlässiger zu diagnostizieren. So könnten Computersysteme Fotobefunde verdächtiger Hautstellen in Echtzeit auswerten und so den Arzt bei der Diagnosestellung unterstützen.

Baas: „In wenigen Jahren rechnen wir mit qualitativ hochwertigen Apps, die auch von Patienten zur Früherkennung von Hautkrebs genutzt werden können.“ (run)

Was ist Hautkrebs?

Unter Hautkrebs werden bösartige Tumoren verstanden, die aus entarteten Zellen der Haut entstehen. Hautkrebs ist somit eine zusammenfassende Bezeichnung. Die häufigsten Formen sind das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) sowie das Basalzellkarzinom (Basaliom) und das Plattenepithelkarzinom. Die beiden letzten werden als heller oder weißer Hautkrebs bezeichnet.

Andere bösartige Neubildungen aus weiteren Hautzellen wie dem Drüsengewebe, dem Unterhautfettgewebe oder spezialisierten Zellen des Nervensystems, kommen dagegen weitaus seltener vor. Die drei erstgenannten Hautkrebsformen treten häufig auf und haben in den etzten Jahrzehnten deutlich stärker in ihrer Häufigkeit zugenommen als die meisten anderen Krebsarten.

(Quelle: TK-Hautkrebsreport 2019)

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