Ärzte Zeitung, 22.04.2005

Irinotecan plus Antikörper gegen metastasiertes Kolon-Ca

Erstlinien-Therapie mit der Kombination verzögert Progression / Zulassung des Topoisomerase-I-Hemmers auch bei Magenkrebs beantragt

NEU-ISENBURG (otc). Der seit zehn Jahren in Deutschland zugelassene Topoisomerase-I-Hemmer Irinotecan erobert weitere Anwendungsgebiete. So profitieren Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (mCRC) von Irinotecan in Kombination mit monoklonalen Antikörpern. Zudem wurde die Zulassung bei Magenkrebs beantragt.

Kontrollierte klinische Studien belegen, daß es für Patienten mit mCRC von Vorteil ist, wenn sie bereits als Erstlinientherapie eine Kombination aus Chemo- und Antikörpertherapie erhalten.

So sprechen mehr Patienten auf die Behandlung an als mit Standardtherapie. Auch überleben sie länger, wenn sie mit einer Kombination aus Irinotecan (Campto®) und Bevacizumab oder Cetuximab behandelt werden. Darauf wies Professor Claus-Henning Köhne aus Oldenburg auf einer Veranstaltung von Pfizer in Hamburg hin.

Belegt wurde der - auch in Laboruntersuchungen nachgewiesene - synergistische Effekt unter anderem in der BOND-Studie (Bowel Oncology with Cetuximab Antibody, N Engl J Med, 351, 2004, 337). 329 Irinotecan-refraktäre Patienten mit mCRC wurden entweder mit dem EGF-Rezeptor-Antikörper Cetuximab als Monotherapie oder in Kombination mit Irinotecan behandelt.

Mit der Kombinationstherapie wurde bei 55 Prozent der Patienten eine Remission oder eine Stabilisierung der Erkrankung erreicht, mit der Monotherapie bei 32 Prozent. Die Progression der Erkrankung wurde signifikant hinausgezögert, im Mittel trat sie nach 4,1 Monaten (Monotherapie: 1,5 Monate) ein. Zudem überlebten die Patienten mit der Kombitherapie deutlich länger: 8,6 vs. 6,9 Monate.

Irinotecan kann auch bei Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom als effiziente Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten angesehen werden: Der Topoisomerase-I-Hemmer führte in mehreren Phase-II- und einer Phase-III-Studie zu besseren Remissionsraten und längeren Überlebenszeiten im Vergleich zu den bisher angewandten Therapien. Und zwar nicht nur als Monosubstanz, sondern auch als Kombinationspartner mit Cisplatin und mit 5-Fluorouracil (5-FU).

Irinotecan ist ein Hemmstoff der DNA-Topoisomerase I, einem ubiquitären Enzym, das für die Spiralisierung und Entdrillung der DNA-Helix notwendig ist. Das Unternehmen hat den Wirkstoff Ende letzten Jahres von Sanofi-Aventis übernommen.

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