Ärzte Zeitung, 18.05.2006
 

Spezieller Antikörper eradiziert kleinste CLL-Tumornester

Alemtuzumab verlängert Überleben signifikant / Paradigmenwechsel bei chronischer lymphatischer Leukämie: kurative statt palliative Therapie

ATHEN (djb). In der Therapie bei chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt - weg von der Palliation und hin zur kurativen Behandlung. Möglich ist das mit dem Antikörper Alemtuzumab.

Der Anti-CD52-Antikörper Alemtuzumab eradiziert bei Patienten in Komplettremission eine minimale Resterkrankung und verlängert das Überleben signifikant. In einer Studie erhielten 91 Patienten mit rezidivierter oder refraktärer CLL nach Therapie mit Purinanaloga bis zu zwölf Wochen den Antikörper Alemtuzumab (MabCampath®) als Monotherapie (30 mg dreimal pro Woche i.v.).

36 Prozent der Patienten kamen mit der Therapie in eine Komplettremission (CR). Das berichtete Dr. Ben Kennedy von der Universität Leicester in Großbritannien bei einer Veranstaltung in Athen, zu der Schering Onkology eingeladen hatte. Bei 19 Prozent wurde eine Teilremission (PR) erzielt, 46 Prozent sprachen nicht auf die Therapie an (J Clin Oncol 13, 2005, 23).

Auch Patienten in Komplettremission können nach wie vor Tumorzellen im Knochenmark haben, so Kennedy. Diese minimale Resterkrankung (MRD) ist mit einem erhöhten Rezidivrisiko verbunden. Die malignen Lymphozyten lassen sich zytometrisch nachweisen.

Patienten, die in der Studie eine CR nach den Kriterien des National Cancer Institute erreicht hatten, aber MRD-positiv waren, wurden bis zum maximalen Ansprechen weiterbehandelt. Bei 18 Patienten (20 Prozent) konnten mit dem Antikörper die restlichen malignen Zellen eradiziert werden.

Weitere vier Patienten wurden nach einer anschließenden autologen Stammzelltransplantation MRD-negativ, weitere zwei mit einer Kombinationstherapie aus Alemtuzumab und Fludarabin (Fludara®).

MRD-negative Patienten überlebten signifikant länger als MRD-positive. Nach 60 Monaten lebten noch 84 Prozent mit MRD-negativen Remissionen. Mit einer minimale Resterkrankung überlebten nur 20 Prozent der Patienten mit CR und 13 Prozent mit PR.

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