Onkologie

Fortschritt in der Leukämie-Diagnostik

Ein neues Testverfahren könnte Patienten mit Akuter Myeloischer Leukämie und hohem Rückfall-Risiko identifizieren. Das hätte therapeutische Konsequenzen.

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MÜNCHEN. Einem internationalen Team in Kooperation mit Forschern des Klinikums der Universität München (LMU) ist es gelungen vorherzusagen, welche Patienten mit Akuter Myeloischer Leukämie (AML) ein hohes Risiko für einen Rückfall haben. Dabei sind Oberflächenmoleküle spezifisch auf leukämischen Stammzellen von Bedeutung (Nature 2016, 540:433–437).

Forscher der Uni von Toronto in Kanada untersuchen seit Jahren die Bedeutung leukämischer Stammzellen bei AML, berichtet das Klinikum der LMU München in einer Mitteilung zur Veröffentlichung der Studie. Diese Zellen stehen im Verdacht, sehr aggressive Formen der AML auszulösen – und sie sind resistent gegen die Medikamente der Chemotherapie. So kommt es zu Rückfällen.

Oberflächenmoleküle auf Stammzellen im Fokus

Die kanadischen Mediziner haben in einem ersten Anlauf herausgefunden, welche Oberflächenmoleküle spezifisch auf den leukämischen Stammzellen sitzen. Anhand dieser Moleküle lassen sich diese Stammzellen identifizieren. Schon damals, 2013, seien die Münchner Wissenschaftler um Professor Wolfgang Hiddemann, Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Klinikum der Universität München, an der Forschung beteiligt gewesen, so die Mitteilung.

Anhand von Blut- und Knochenmarksproben von mehreren Tausend AML-Patienten "haben wir nachgewiesen, dass Patienten mit einem bestimmten Molekül-Muster in den Leukämiezellen deutlich schlechtere Überlebenschancen haben", wird Hiddemann zitiert.

Eine Methode zunächst nur für Forschungslabore

Das Problem: Die Methode zum Nachweis der Moleküle taugte nur für Forschungslabore. Und die Zahl der nachzuweisenden Moleküle war zu groß für einen Nachweis in der Routine.

So haben die Kollegen aus Toronto jetzt alle Daten neu berechnet. Am Ende seien 17 Moleküle übrig geblieben, die sich nun mit einem neuen Testverfahren leicht und kostengünstig in einer Blut- oder Knochenmarksprobe ermitteln lassen, berichtet das Klinikum der LMU München. Die Prüfung des Verfahrens erfolgte wieder mit den Daten der Patienten des Klinikums der LMU. Aber auch in anderen weltweiten Patientengruppen wiesen die 17 Moleküle mit hoher Sicherheit auf die aggressive Form der AML hin.

Gleich Knochenmarkstransplantation?

Nun planen die Forscher eine weitere Überprüfung der Methode an neu diagnostizierten Patienten. Sollten sie auch diese Hürde nehmen, wäre dies ein großer Fortschritt für die Patienten. Ihnen könnte dann zum Beispiel statt der Chemotherapie gleich eine Knochenmarkstransplantation angeboten werden, um auch die aggressiven Formen der Erkrankung heilen zu können.

Bis zu 85 Prozent der AML-Patienten erscheinen nach Chemotherapie zwar wie geheilt, allerdings kehrt bei mehr als der Hälfte von ihnen die Krankheit innerhalb von ein bis zwei Jahren zurück. (eb)

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