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Krebs - was Patienten erleben und was Ärzte dazu sagen

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Die Rundfunkredakteurin Sibylle Herbert aus Köln hat ein Buch über ihre "zweihundertfünfundfünzig Tage währende Odyssee durch den deutschen Medizinbetrieb" nach der Diagnose Brustkrebs geschrieben.

Sie wollte kein Betroffenheitsbuch schreiben, wie sie kürzlich bei einer Lesung in Heidelberg erklärt hat, sondern eine offene und ehrliche Bestandsaufnahme ihres Behandlungsweges abliefern, der sicherlich exemplarisch für viele Patienten mit (Brust)-Krebs ist.

"Glück - das brauchen Sie jetzt", wünschte ihr ihre Frauenärztin zu Beginn ihres Behandlungsmarathons. Ihr behandelnder Klinikarzt Dr. Mathias Warm, damals noch Oberarzt am Brustzentrum der Uni-Frauenklinik in Köln, bestätigt dies: "Die Frauen müssen also Glück haben, an den richtigen Arzt zu geraten, der etwas von seinem Fach versteht.

Das gilt nicht nur für die Nachsorge, sondern auch für die Diagnose, Therapie und Operation. Von Qualitätsstandards ist viel die Rede. Die Realität sieht immer noch anders aus", ist in dem Buch zu lesen. Folgerichtig trägt es den Titel: "Überleben Glücksache".

Das Buch ist in zweierlei Hinsicht ungewöhnlich. Die Patientin und Autorin hat es zum einen geschafft, über ihre eigene Betroffenheit hinweg die journalistische Distanz zu wahren und eine schonungslose Analyse der (Brust)-Krebsmedizin in Deutschland zu schreiben, die bei aller Schwere des Inhalts auch noch recht locker zu lesen ist.

Die eigentliche Stärke des Buches ist es aber, daß sie auch ihre behandelnden Ärzte und Therapeutinnen - zwanzig an der Zahl - zu Wort kommen läßt. Mit erstaunlicher Offenheit offenbaren diese die Zwänge, unter denen sie im Klinikalltag stehen, und die Unmöglichkeit, derzeit eine patientengerechte Medizin zu machen: " Die Verdichtung der Arbeit hat einen Grad erreicht, wo eine Steigerung kaum noch möglich ist. Überstunden ohne Ende sind nicht die Lösung des Problems. Abends ist man müde und platt. Die Ideale, mit denen ich an das Studium herangegangen bin, die habe ich nicht mehr. Sie sind auf der Strecke geblieben, durch die vielen Vorschriften und die Bürokratie.... Fünfundzwanzig Prozent meiner Zeit benötige ich für die Dokumentation. Diese Zeit hatte man früher für den Patienten", wird einer der Ärzte zitiert.

Die Leser erfahren von den Kommunikationsproblemen zwischen Ärzten und der Patientin: "Ich habe mir ...... Hilfe und Unterstützung gewünscht - und zwar genau von denen, die die Diagnose stellten und die medizinische Behandlung festlegten. Gerade von ihnen fühlte ich mich im Stich gelassen. Ich fragte mich: Warum ist dies so? Wofür sind, wofür fühlen sich Schwestern, medizinisch-technische Assistenten, Ärzte zuständig? Machen sie sich Gedanken über die Abläufe, Anweisungen und Anordnungen? Beziehen sie die Gefühle und Gedanken der Patienten in ihr Handeln, ihre Behandlung mit ein?"

So kam Sibylle Herbert auf die Idee, die Menschen in den weißen Kitteln selbst zu Wort kommen zu lassen. Die ließen sich auf das Experiment ein, und so bekommt der Leser einen ehrlichen Einblick in das Innenleben der Patientin - wie auch in das der sie behandelnden Ärzte. Dies macht das Buch so lesenswert - auch und gerade für Ärzte. (bd)

Sibylle Herbert: "Überleben Glücksache", Frankfurt, 2005, 256 Seiten, 17.90 Euro.

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