Ärzte Zeitung, 27.06.2007

Senologen sehen Fortschritte bei der Brustkrebs-Therapie

Sterblichkeit ist in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich gesunken / Diagnostik und Behandlung sind schonender geworden

LÜBECK (ugr). Große Fortschritte bei der Behandlung von Frauen mit Brustkrebs haben Experten bei der 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Lübeck festgestellt. Die Fünf- Jahres- Überlebensrate liege inzwischen bei über 80 Prozent, sagte Professor Klaus Diedrich von der Universitätsklinik Lübeck.

Jährlich erkranken etwa 55 000 Frauen an Brustkrebs, etwa 18 000 Todesfälle sind im gleichen Zeitraum zu verzeichnen. "Die Sterblichkeit ist in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich gesunken", sagte Kongresspräsident Professor Jürgen Dunst, Strahlentherapeut an der Uniklinik Lübeck. Eine bessere Diagnostik sowie innovative und nebenwirkungsärmere Therapieverfahren seien dafür ursächlich, so Dunst.

Außerdem: Brustkrebs-Operationen sind heute weniger radikal als noch vor 25 Jahren. "Damals wurden zunächst ein Zentimeter große Tumoren brusterhaltend operiert", sagte Diedrich. "Heute können bei entsprechender Brustgröße auch drei bis vier Zentimeter große Tumoren entfernt werden, ohne die Brust zu amputieren." 70 Prozent der Frauen werden inzwischen brusterhaltend operiert.

Auch auf die Entfernung der Lymphknoten in der benachbarten Achselhöhle könne heute vielfach verzichtet werden, so Diedrich. Ermöglicht habe das die inzwischen etablierte Sentinel-Node-Diagnostik. Hierbei wird zunächst nur der Wächterlymphknoten, also der dem Tumor am nächsten gelegene Lymphknoten entfernt. Ist dieser frei von Krebszellen, kann auf die Ausräumung der Achselhöhe verzichtet werden.

Auch in der Strahlentherapie gibt es Fortschritte: Sie ist nach Aussage von Professor Dunst nicht mehr nur für den Brusterhalt von Bedeutung, sondern mittlerweile ein wichtiger Faktor für die Prognose der Patientinnen. Die Strahlentherapie werde immer präziser und immer schonender. So könne in der Nachbehandlung bei kleinen Tumoren oft auf eine sechswöchige ambulante Bestrahlung der ganzen Brust zugunsten einer einwöchigen, stationären Teilbestrahlung verzichtet werden. In der Erprobung befinden sich Verfahren wie die interstitielle Brachytherapie, eine örtliche Bestrahlung mit winzigen Metallimplantaten, oder die intraoperative Bestrahlung, die eine Nachbestrahlung gänzlich überflüssig machen soll.

Alle modernen Diagnose- und Therapieverfahren kommen vor allem in zertifizierten Brustzentren zur Anwendung, wie Professor Diethelm Wallwiener aus Tübingen, Präsident der Gesellschaft für Senologie, anmerkte. Die Brustzentren seien "eine weltweit einzigartige Erfolgsgeschichte"; in 200 Einrichtungen dieser Art in Deutschland werden inzwischen mehr als die Hälfte aller Brustkrebspatientinnen behandelt. Die Deutsche Krebsgesellschaft habe das "Modell Brustzentrum" inzwischen auf andere Organe übertragen; derzeit werden landesweit Darm- und Prostatazentren implementiert.

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