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Sport bessert die Prognose bei Brustkrebs - Das Motto dabei: Erlaubt ist, was Spaß macht

Jede Art von Bewegung hat im Zusammenhang mit Brustkrebs einen präventiven Effekt. Aber auch die Prognose erkrankter Frauen lässt sich durch körperliche Aktivität verbessern.

Von Uwe Groenewold Veröffentlicht:
Bewegung tut auch bei Brustkrebs gut.

Bewegung tut auch bei Brustkrebs gut.

© Foto: moodboardwww.fotolia.de

Regelmäßige körperliche Aktivität bei gleichzeitiger Kalorienrestriktion wirkt sich sowohl auf die Brustkrebsinzidenz als auch auf die Prognose bereits erkrankter Frauen günstig aus. Wer sich fünf Mal wöchentlich mindestens 30 Minuten bewegt, wird seltener krank und hat bessere Chancen, wieder gesund zu werden. Das haben Experten bei der 29. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Düsseldorf berichtet.

Insulinspiegel beeinflusst das Rezidivrisiko

In den vergangenen zehn Jahren summierten sich übereinstimmende Daten aus prospektiven, randomisierten Phase-III-Studien und biochemischen Analysen, die belegen, dass körperliche Aktivität nicht nur primärpräventiv, sondern auch sekundärpräventiv für das Mammakarzinom von Bedeutung ist. Signifikant wird die Risikoreduktion bei drei bis fünf Stunden Sport pro Woche, jedoch in Abhängigkeit vom Körpergewicht: Je höher der Body-Mass-Index (BMI), desto weniger schützt körperliche Aktivität vor Brustkrebs. Adipöse Frauen mit einem BMI über 30 haben ein doppelt so hohes Mammakarzinom-Risiko wie Normalgewichtige. Ursächlich hierfür ist das Fettgewebe als aktives endokrines Organ. Mit zunehmendem Volumen steigert es die Hormonaktivität und fördert die Tumorprogression. "Frauen in Deutschland nehmen zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr im Schnitt 14 kg Körpergewicht zu. Hier besteht ein riesiges Präventionspotenzial", sagte Professor Hans Hauner, Ernährungsmediziner aus München.

Bei bereits erkrankten Patientinnen komme dem Insulinstoffwechsel maßgebliche Bedeutung zu: Erhöhte Nüchtern-Insulinspiegel korrelierten signifikant mit einer zwei- bis dreifach höheren Krebssterberate, so Hauner. Je höher der Insulinspiegel schon bei der Krebsdiagnose sei, desto größer sei das Rezidivrisiko und umso schlechter sei die Prognose.

Weniger Rückfälle bei Kalorienreduktion

Im ersten Jahr nach der Diagnose legen Frauen zwischen einem und drei Kilogramm Gewicht zu; dies gilt vor allem für prämenopausale Patientinnen. Den Erfolg einer fettarmen Diät hat nach Angaben Hauners eine US-amerikanische Studie mit 2437 Teilnehmerinnen gezeigt: Bei den Frauen mit reduzierter Kalorienaufnahme entwickelten sich während des siebenjährigen Follow-up 24 Prozent weniger Rezidive als in der Kontrollgruppe ohne Kalorienreduktion.

Risiko für Brustkrebs ist bei Frauen mit einem BMI über 30 verdoppelt.

Gewichtsabnahme allein ist allerdings in aller Regel nicht ausreichend, um Krebsinzidenz und Krebsprognose günstig zu gestalten. Wesentlichen Einfluss auf das Endokrinum habe regelmäßige körperliche Aktivität, so Kongresspräsident Professor Ulrich R. Kleeberg aus Hamburg. Auf diese Weise gelingt es, übermäßig synthetisierte Insulinrezeptoren zu blockieren und damit die Remissionsraten einer Chemotherapie oder einer Strahlentherapie zu steigern sowie das Tumorwachstum zu hemmen.

Ergebnis ist eine signifikante Verbesserung der Lebenserwartung: "Körperliche Aktivität als substanzieller Bestandteil unseres Lebenswandels ist wirksamer als manches teure adjuvante Therapieprotokoll", sagte Kleeberg. Er empfiehlt, fünf Mal wöchentlich mindestens 30 Minuten körperlich aktiv zu sein.

Daten von 100 klinischen Studien ausgewertet

Der gesundheitliche Effekt von sportlicher Aktivität ist gewaltig, wie Privatdozentin Dr. Christine Graf von der Sporthochschule Köln erläuterte. Nach Auswertung von etwa 100 klinischen Studien ist das Risiko für Krebs um 25 bis 30 Prozent reduziert, wobei - mit Ausnahme von exzessiver Betätigung - die Empfehlung "Je mehr, desto besser" ganz offensichtlich zutrifft; im Krankheitsfall beträgt der Überlebensvorteil bei regelmäßiger körperlicher Aktivität 50 bis 60 Prozent. Kontraindiziert ist ein Bewegungsprogramm allerdings bei Patienten mit extremer Erschöpfung oder starker Übelkeit, bei Infekten, Schwindel oder starken Schmerzen.

Was zur Brustkrebs-Prävention geeignet ist

"Erlaubt ist alles, was Spaß macht und nicht zur Überforderung führt", sagt Privatdozentin Dr. Christine Graf von der Sporthochschule Köln. Nordic Walking oder Radfahren, Wandern, Spazieren gehen oder regelmäßige Gartenarbeit - jede Art von Bewegung hat einen Effekt. Auch wohl dosiertes Krafttraining im Fitnessstudio, bei dem maximal 40 bis 70 Prozent der vorhandenen Kraft aufgewendet wird, ist geeignet. Graf: "Körperliche Aktivität beeinflusst alle metabolischen Prozesse, lindert die Erschöpfung, stabilisiert den Kreislauf, stärkt die Immunfunktionen und erhält die Muskelmasse. Die Frauen fühlen sich einfach fitter und können die Belastungen der Behandlung besser auffangen."

Besonders unter einer Chemo- oder Strahlentherapie sollte man jedoch vorsichtig beginnen (ein- bis zweimal wöchentlich) und die Intensität langsam, aber stetig steigern. Graf: "Mit der Bewegung kommt dann auch die Leistungsfähigkeit zurück." Oftmals biete sich zum Einstieg auch eine Physiotherapie an. (ugr)

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