Ärzte Zeitung, 22.02.2005

Viel Trinken und Sport: Tips, die bei Obstipation oft nichts nützen

Ein Ballaststoff-Test verrät, wer von Vollkorn-Produkten profitiert

BERLIN (mal). Patienten mit chronischer Obstipation immer wieder aufzufordern, sich mehr zu bewegen und mehr zu trinken, führt eher zu Frust als zu Erfolg. Denn selbst, wenn sich Patienten hier intensiv bemühen, quält die Verstopfung oft wie zuvor.

Der Bauch drückt, die Verstopfung quält. Mehr Bewegung löst das Problem oft nicht. Foto: Health-Networking

Das hat Professor Stefan A. Müller-Lissner aus Berlin jetzt durch eine Literatur-Recherche festgestellt (Am J Gastroenterol 100, 2005, 232). "Man kann einem Obstipierten nicht in Aussicht stellen, daß sich seine Obstipation bessert, wenn er sich mehr bewegt", so Müller-Lissner. "Und Interventionsstudien, in denen geprüft wurde, ob Obstipation durch mehr Trinken gebessert werden kann, haben ergeben: auch das bringt nichts!" Von Ballaststoffen jedoch profitierten zumindest manche chronisch obstipierten Patienten.

Der Gastroenterologe rät deshalb zum Ballaststoff-Versuch. Er selbst benutzt dafür Flohsamenschalen-Präparate. "Das sind die bestverträglichen Mittel, und ich kann auch die Dosierung vorschreiben", sagt Müller-Lissner. Zwei Wochen lang wird das Mittel eingenommen.

Hat sich der Stuhlgang dann normalisiert, wird über die Möglichkeit, Ballaststoffe mit der Nahrung aufzunehmen, aufgeklärt. Gut wirksam seien Vollkorn-Produkte, erinnert Müller-Lissner. Obst und Gemüse seien dagegen relativ wenig effektiv, weil ihre gut löslichen Ballaststoffe von Dickdarmkeimen leicht gespalten werden und sie dadurch ihre Fähigkeit, Wasser zu binden, verlieren.

Bringt der Ballaststoff-Versuch nichts, "brauche ich auch nicht diese Tips zu geben!", so Müller-Lissner. Für solche Patienten hält der Gastroenterologe dann eine gezielte Laxantien-Therapie für indiziert. Mittel der ersten Wahl sind für ihn dann die Macrogole.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »