Ärzte Zeitung, 27.04.2005

Bei Gastritis lohnt sich ein Versuch mit einem PPI

WIESBADEN (hae). Bei Beschwerden des oberen Gastrointestinaltraktes ist die Gastritis in der Praxis mit über 50 Prozent die häufigste Diagnose. Oft reicht eine probatorische Therapie mit einem Protonenpumpen-Hemmer. Übrigens: Bei Gastritis denken Kliniker, Histologen und Endoskopiker an ganz unterschiedliche Dinge.

Die klinische Diagnose Gastritis geht meist nicht mit einem pathologischen endoskopischen oder histologischen Befund einher. Bei klinischer Diagnose sollte man deshalb besser von einer Dyspepsie sprechen. Darauf wies der Münchner Gastroenterologe Professor Manfred Gross beim Internisten-Kongreß in Wiesbaden hin.

Zwischen klinischer, endoskopischer und histologisch definierter Gastritis gebe es eine nur geringfügige Korrelation, bestätigte der Endoskopie-Spezialist Dr. Ralf Kießlich von der Universität Mainz bei der Veranstaltung des Unternehmens AstraZeneca.

Erst neue Techniken wie die Magnifikationsendoskopie, bei der Bildausschnitte rechnerisch vergrößert werden können, und vor allem die noch jüngere Endomikroskopie werden etwa den direkten Nachweis einer Helicobacter-Besiedlung im Magen und so eine spezifischere Diagnose ermöglichen.

Hinter einer Gastritis steckt oft eine funktionelle Dyspepsie

In der Praxis ist das Vorgehen aber meist einfach. Hinter dem Befund Gastritis stecke zu 50 Prozent eine funktionelle Dyspepsie ohne organischen Befund und zu weiteren 40 Prozent eine Refluxerkrankung, also Erkrankungen, deren Symptome sich ohnehin stark überlappen, sagte Privatdozent Joachim Labenz aus Siegen.

In Einklang mit den aktuellen DGVS-Leitlinien sei man bei beiden Diagnosen mit einem Therapieversuch über vier Wochen mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI) in Standarddosis auf der richtigen Seite. Eine frühe Endoskopie sei bei NSAR-Einnahme, Alarmsymptomen oder Erstmanifestation im Alter über 45 Jahren erforderlich.

Zur Langzeittherapie mit PPI in halber Standarddosis, die oft bei klinisch diagnostizierter Gastritis oder Dyspepsie nötig sei, habe sich die Einnahme nach Bedarf bewährt.

In einer Vergleichsstudie bei Patienten mit nichterosiver Refluxkrankheit hat die bedarfsweise Einnahme von Esomeprazol (Nexium®, 20 mg) zu signifikant mehr zufriedenen Patienten und zu besserer Compliance geführt als die kontinuierliche Therapie mit einem Vergleichspräparat. Außerdem hatte die Einnahme nach Bedarf zur Folge, daß 38 Prozent weniger Tabletten eingenommen. Das senkt die Kosten der Langzeitherapie deutlich.

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