Ärzte Zeitung, 06.07.2009

Übelkeit und Erbrechen: Das Medikament der Wahl sollte eine rezeptorspezifische Substanz sein

Das Medikament der Wahl sollte eine rezeptorspezifische Substanz sein

Ist, wie bei einer Gastroparese, die Beweglichkeit des Magens aufgehoben oder vermindert, sind Übelkeit und Erbrechen die Folge.

Foto: SebastianKaulitzki@www.fotolia.de

Nahezu jeder Mensch leidet vermutlich zumindest kurzzeitig im Leben hin und wieder unter Übelkeit und Erbrechen. Die Auslöser sind zahlreich: Schwangerschaft, akute infektiöse, chronische abdominale, medikamentöse oder toxische Ursachen sind nur einige davon.

Erbrechen ist ein komplexer physiologischer Vorgang mit willkürlichen und unwillkürlichen Komponenten, fasst Professor Michael Fried und Dr. Patrick Janiak von der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie in Zürich zusammen. Im Brechzentrum werden die komplexen reflektorischen Vorgänge dann koordiniert.

Verschiedene Rezeptoren sind an der Entstehung des Brechreizes beteiligt, vor allem:

  • 5-HT3-Rezeptoren,
  • Dopamin-Typ-2-Rezeptoren,
  • Histamin-Typ-1-Rezeptoren,
  • muskarinerge Acetylcholinrezeptoren.

Durch die Stimulation von 5-HT3-Rezeptoren wird Dopamin freigesetzt. Dieses aktiviert die Dopamin-2-Rezeptoren im Brechzentrum, erläutert Fried in der CME-Fortbildungseinheit "Was tun, wenn sich der Magen umdreht?"

Mit einer strukturierten Anamnese und klinischen Untersuchungen lässt sich die Ursache von Übelkeit und Erbrechen meist abklären. Bei Frauen im gebärfähigen Alter gehört ein Schwangerschaftstest zur Basisdiagnostik. Weiterhin sollte gezielt gefragt werden nach Dauer und Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden, Begleitsymptomen, Beschaffenheit des Erbrochenen, Vorerkrankungen, sozialer Anamnese, Medikamenten, Alkohol- und Drogenkonsum.

Dauer und Zeitpunkt der Beschwerden sind oft wegweisend.

Die Beschwerdedauer ist oft wegweisend. Bei akuten Beschwerden stehen infektiöse, medikamentös-toxische oder metabolische Ursachen im Vordergrund. Bei chronischen Beschwerden sollte primär an Schwangerschaft, Gastroparese oder Migräne gedacht werden. Auch der Zeitpunkt ist hilfreich: Morgendliches Erbrechen ist typisch bei Schwangerschaft, Urämie, Alkoholabusus und erhöhtem intrakraniellem Druck.

Außer Blutbild, Blutzucker, Elektrolyten und Kreatinin sollten die Leberfunktionsparameter laborchemisch bestimmt werden.

Die kausale Therapie richtet sich gegen die Grunderkrankung. Mit der symptomatischen Therapie kann sofort begonnen werden. Die am häufigsten genutzten Antiemetika sind: Anticholinergika, Antihistaminika, Neuroleptika, Dopamin-Rezeptorantagonisten, 5-HT3-Rezeptorantagonisten und der Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonist Aprepitant.

Das Medikament der Wahl sollte eine rezeptorspezifische Substanz sein. 5-HT3-Rezeptorantagonisten wie Ondansetron, Tropisetron, Granisetron und Dolasetron zum Beispiel wirken hochselektiv und kompetetiv auf 5-HT3-Rezeptoren. Sie werden vorrangig bei zytostatikainduzierter Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Der antiemetische Effekt kann durch eine einmalige Applikation von 8 - 20 mg Dexamethason i. v. vor Beginn der Chemotherapie gesteigert werden. Die Dosierung richtet sich nach der Indikation und nach dem emetogenen Potenzial des eingesetzten Zytostatikums. (otc)

Zu dem Modul "Was tun, wenn sich der Magen umdreht?"

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