Magen-Darmkrankheiten

Übelkeit und Erbrechen: Das Medikament der Wahl sollte eine rezeptorspezifische Substanz sein

Veröffentlicht:

Ist, wie bei einer Gastroparese, die Beweglichkeit des Magens aufgehoben oder vermindert, sind Übelkeit und Erbrechen die Folge.

Foto: SebastianKaulitzki@www.fotolia.de

Nahezu jeder Mensch leidet vermutlich zumindest kurzzeitig im Leben hin und wieder unter Übelkeit und Erbrechen. Die Auslöser sind zahlreich: Schwangerschaft, akute infektiöse, chronische abdominale, medikamentöse oder toxische Ursachen sind nur einige davon.

Erbrechen ist ein komplexer physiologischer Vorgang mit willkürlichen und unwillkürlichen Komponenten, fasst Professor Michael Fried und Dr. Patrick Janiak von der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie in Zürich zusammen. Im Brechzentrum werden die komplexen reflektorischen Vorgänge dann koordiniert.

Verschiedene Rezeptoren sind an der Entstehung des Brechreizes beteiligt, vor allem:

  • 5-HT3-Rezeptoren,
  • Dopamin-Typ-2-Rezeptoren,
  • Histamin-Typ-1-Rezeptoren,
  • muskarinerge Acetylcholinrezeptoren.

Durch die Stimulation von 5-HT3-Rezeptoren wird Dopamin freigesetzt. Dieses aktiviert die Dopamin-2-Rezeptoren im Brechzentrum, erläutert Fried in der CME-Fortbildungseinheit "Was tun, wenn sich der Magen umdreht?"

Mit einer strukturierten Anamnese und klinischen Untersuchungen lässt sich die Ursache von Übelkeit und Erbrechen meist abklären. Bei Frauen im gebärfähigen Alter gehört ein Schwangerschaftstest zur Basisdiagnostik. Weiterhin sollte gezielt gefragt werden nach Dauer und Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden, Begleitsymptomen, Beschaffenheit des Erbrochenen, Vorerkrankungen, sozialer Anamnese, Medikamenten, Alkohol- und Drogenkonsum.

Dauer und Zeitpunkt der Beschwerden sind oft wegweisend.

Die Beschwerdedauer ist oft wegweisend. Bei akuten Beschwerden stehen infektiöse, medikamentös-toxische oder metabolische Ursachen im Vordergrund. Bei chronischen Beschwerden sollte primär an Schwangerschaft, Gastroparese oder Migräne gedacht werden. Auch der Zeitpunkt ist hilfreich: Morgendliches Erbrechen ist typisch bei Schwangerschaft, Urämie, Alkoholabusus und erhöhtem intrakraniellem Druck.

Außer Blutbild, Blutzucker, Elektrolyten und Kreatinin sollten die Leberfunktionsparameter laborchemisch bestimmt werden.

Die Auslöser von Übelkeit und Erbrechen sind vielfältig: akute infektiöse oder neurologische, chronische abdominale, medikamentöse oder toxische Ursachen sind nur einige davon.

Die Auslöser von Übelkeit und Erbrechen sind vielfältig: akute infektiöse oder neurologische, chronische abdominale, medikamentöse oder toxische Ursachen sind nur einige davon.

© Foto: Martti@www.fotolia.de

Die kausale Therapie richtet sich gegen die Grunderkrankung. Mit der symptomatischen Therapie kann sofort begonnen werden. Die am häufigsten genutzten Antiemetika sind: Anticholinergika, Antihistaminika, Neuroleptika, Dopamin-Rezeptorantagonisten, 5-HT3-Rezeptorantagonisten und der Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonist Aprepitant.

Das Medikament der Wahl sollte eine rezeptorspezifische Substanz sein. 5-HT3-Rezeptorantagonisten wie Ondansetron, Tropisetron, Granisetron und Dolasetron zum Beispiel wirken hochselektiv und kompetetiv auf 5-HT3-Rezeptoren. Sie werden vorrangig bei zytostatikainduzierter Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Der antiemetische Effekt kann durch eine einmalige Applikation von 8 - 20 mg Dexamethason i. v. vor Beginn der Chemotherapie gesteigert werden. Die Dosierung richtet sich nach der Indikation und nach dem emetogenen Potenzial des eingesetzten Zytostatikums. (otc)

Zu dem Modul "Was tun, wenn sich der Magen umdreht?"

Lesen Sie auch: AML - häufigste akute Leukämieform bei Erwachsenen Darmkrebs: Adjuvante Chemotherapie auf jeden Fall ab Tumorstadium III Bei Verdacht auf Schlaganfall möglichst direkt in eine Stroke Unit!

Mehr zum Thema
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Hüftfraktur: Durch eine Optimierung der Kalzium- und Proteinzufuhr lässt sich bei älteren Menschen in Pflegeheimen das Risiko für Frakturen deutlich senken.

© Springer Medizin Verlag GmbH

Ernährung als Prävention

Milchprodukte bewahrten Heimbewohner wohl vor Frakturen

Begleitet von hohen Erwartungen und Protesten – wie hier am 15. Oktober von Klimaaktivisten in Berlin – starten am Donnerstag die offiziellen Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP.

© Kay Nietfeld/dpa

Koalitionsverhandlungen

Gesundheit und Pflege: Wer für SPD und Grüne verhandelt