Ärzte Zeitung, 15.09.2009

Verstopft! Was bringen Allgemeinmaßnahmen?

Faserreiche Kost und obstipierende Lebensmittel meiden: Das sind im Wesentlichen schon die Allgemeinmaßnahmen, die mit Aussicht auf Erfolg Patienten mit chronischer Obstipation guten Gewissens empfohlen werden können.

Verstopft! Was bringen Allgemeinmaßnahmen?

Wenn´s mal wieder länger dauert ...

Foto: Herbie©www.fotolia.de

MANNHEIM (sec). Immer wieder fragen Patienten mit chronischer Obstipation nach, inwieweit sie das Problem, ständig unter Verstopfung zu leiden, selbst beeinflussen können.

Empfohlen werden könnten dann eine faserreiche Kost mit mindestens 30 g Ballaststoffen täglich und das Meiden von obstipierenden Lebensmitteln wie Schokolade, Bananen, Kakao, schwarzer Tee, Karottensaft und Heidelbeeren, fassen die Autoren des Buches "Chronische Obstipation in Praxis und Klinik" den derzeitigen Wissensstand zusammen. Wichtig ist ihnen auch: Die Patienten müssen darüber aufgeklärt werden, dass täglicher Stuhlgang nicht zwingend erforderlich ist, jedoch ein regelmäßiger Toilettengang, etwa nach dem Frühstück, angestrebt werden sollte.

Ballaststoffe: Studien haben uneinheitliche Ergebnisse

Bei einer milden Obstipation (Normal-Transitzeit-Obstipation) oder zur Obstipationsprophylaxe sei die therapeutische Wirksamkeit einer ballaststoffreichen Ernährung akzeptiert, obwohl Interventionsstudien keine durchgängige Beeinflussung der Obstipationssymptome durch eine erhöhte Menge an zugeführten Ballaststoffen gezeigt hätten.

Die uneinheitlichen Studienergebnisse seien offenbar Folge der Heterogenität der verwandten Ballaststoffe und der untersuchten Patientenkollektive.

Ballaststoffe wirkten durch einen substanzeigenen Masseeffekt, durch vermehrte osmotische Bindung von Wasser und durch eine vermehrte Produktion intestinaler Gärungsgase, erinnern die Autoren.

Bei der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu einer täglichen Ballaststoffzufuhr von mindestens 30 g sollte die Hälfte der Ballaststoffe durch Getreide und Getreideprodukte, die andere Hälfte durch Obst und Gemüse gedeckt werden. Bei den Ballaststoffpräparaten hätten sich besonders Flohsamenschalen bewährt. Die sogenannten Gelbildner führten zu einer geringeren Gasbildung als etwa Weizenkleie und sorgten für einen weichen Stuhl.

Kontraindiziert sei eine faserreiche Ernährung übrigens bei Obstipationsbeschwerden aufgrund einer intestinalen Obstruktion und wenig Erfolg versprechend bei verminderter Flüssigkeitsaufnahme, Immobilität oder neurologischen Erkrankungen wie autonome Neuropathie oder Rückenmarkserkrankungen. Daran erinnern die Kollegen um die beiden Herausgeber Professor Heiner Krammer und Professor Alexander Herold aus Mannheim.

Nutzen von körperlicher Aktivität ist noch unklar

Insgesamt sei der therapeutische Nutzen der Allgemeinmaßnahmen bei chronischer Obstipation unterschiedlich gut belegt, betonen sie. Zu den gängigen bei chronischer Obstipation empfohlenen Allgemeinmaßnahmen mit ungesichertem Effekt gehören nach ihren Angaben dabei die Empfehlung zu körperlicher Aktivität von täglich mindestens 15 bis 20 Minuten sowie die Empfehlung zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr (mehr als 1,5 Liter täglich).

Bei Nicht-Obstipierten könne körperliche Bewegung einen Stuhlreiz auslösen, so die Autoren, chronisch Obstipierte bewegten sich jedoch nicht weniger als Gesunde. Und eine geringe Flüssigkeitszufuhr und Immobilisation stellten zwar bekannterweise Risikofaktoren für eine Obstipation dar. Allerdings ließen sich Patienten mit bereits bestehender Obstipation durch erhöhte Flüssigkeitszufuhr (außer bei dehydrierten Patienten) sowie durch vermehrte körperliche Aktivität nur selten erfolgreich behandeln.

Ebenfalls nicht ausreichend wissenschaftlich gesichert sei die Empfehlung zu regelmäßigen Toilettensitzungen unter Nutzung des gastrokolischen Reflexes. Dieser Reflex tritt üblicherweise 5 bis 15 Minuten nach dem Essen auf, besonders nach dem Frühstück. Der im Anschluss daran erfolgende Defäkationsreiz sollte nicht unterdrückt werden, betonen die Autoren.

Krammer, Heiner; Herold, Alexander (Hrsg.): Chronische Obstipation in Praxis und Klinik, Uni-Med, Bremen, 2008, 96 S., 25 Abb., 39,80 €, ISBN 978-3-8374-1073-0

Lesen Sie dazu auch:
Männer haben oft erst im Alter mit Obstipation zu tun

Für Fachkreise:
Tipps zur Differenzialtherapie bei chronischer Obstipation


Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schwere Grippewelle hat Deutschland im Griff

Die aktuelle Grippewelle tobt und beschert Praxen und Kliniken einen regen Zulauf. Das RKI hat Tipps, worauf Ärzte jetzt achten sollten. mehr »

Bodyguard lässt sich von Steuer absetzen

211.000 Euro hatte eine Frau für einen Bodyguard steuerlich abgesetzt - zu Recht, entschied jetzt ein Gericht. Eine Rentnerin aus NRW schützt sich so steuersparend vor einer falschen Ärztin. mehr »

Die Ängste der Akademiker

Albtraum Studium? Jeder sechste Studierende leidet nach Angaben der Barmer unter einer psychischen Störung. Tendenz steigend. mehr »