Gluten-Empfindlichkeit: Alles nur Einbildung?

Immer mehr Menschen sind davon überzeugt, dass sie kein Gluten vertragen - der Absatz von Nahrungsmittel ohne das Eiweiß boomt. Doch viele leiden gar nicht an einer Zöliakie. Forscher vermuten einen Nocebo-Effekt.

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Glutenfreies Brot: Verbraucher greifen immer häufiger zu.

Glutenfreies Brot: Verbraucher greifen immer häufiger zu.

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PAVIA (BS). Gluten-Sensitivität ist eine populäre Diagnose: Das Getreideeiweiß wird für diverse gesundheitliche Beschwerden bei nicht an Zöliakie Erkrankten verantwortlich gemacht.

Ärzte vom Zöliakie-Zentrum der Universität Pavia warnen vor einem Nocebo-Effekt glutenhaltiger Lebensmittel. Bei vielen Patienten könnten die Ernährungsbeschränkungen überflüssig sein.

Die Beschwerden reichen von Durchfall, Flatulenz und Bauchschmerzen über Kopfschmerzen und Lethargie bis zu ADHS, und sie lassen nach oder verschwinden, wenn die Betroffenen Gluten meiden.

Bei den Patienten fehlen aber typische Befunde einer Zöliakie, das heißt, die Dünndarmmukosa ist unauffällig und die Antikörpertiter gegen Transglutaminase und Endomysium sind nicht erhöht.

Dieses Syndrom hat verschiedene Namen, unter anderen Gluten-Sensitivität oder Glutenunverträglichkeit ohne Zöliakie.

Im Internet gibt es eine explosionsartige Vermehrung von Foren, Patientenseiten und Herstellerauftritten, die sich dem "Übeltäter im Essen" widmen und für eine glutenfreie Ernährung werben.

Beschwerden durch Entwöhnung?

Die Evidenz für die Existenz des Krankheitsbildes ist italienischen Gastroenterologen zufolge aber ziemlich dünn (Ann Intern Med 2012; 156: 309-311). Die erste Studie, die diesen Beweis erfolgreich geführt habe, sei erst letztes Jahr publiziert worden (Am J Gastroenterol 2011; 106: 508-514).

In der randomisierten Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie kam es bei Patienten ohne Zöliakie unter glutenfreier Diät durch erneute Glutenzufuhr zu einer Verschlechterung funktioneller Beschwerden.

Über die Pathomechanismen besteht ebenfalls noch Unklarheit: Spekuliert wird über eine Aktivierung der angeborenen Stressantwort, eine zusätzliche Stärkemalabsorption, veränderte Darmpassagezeiten oder die Förderung entzündlicher Prozesse im Darm.

"Last but not least" müsse aber auch eine andere Erklärung in Betracht gezogen werden, schreiben die italienischen Autoren: Bei der Gluten-Sensitivität ohne Zöliakie könne es sich auch um einen Nocebo-Effekt handeln, ausgelöst durch den Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel.

Dass der Nocebo-Effekt bei (vermeintlicher) Unverträglichkeit von Lebensmitteln eine Rolle spielt, ist in Doppelblindstudien gezeigt worden.

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