Ärzte Zeitung online, 31.08.2017
 

Grundlagenforschung

Wirkstoff aus "Magic Mushrooms" gentechnisch hergestellt

Wirkstoff aus "Magic Mushrooms" gentechnisch hergestellt

Herstellungsverfahren für Magic-Mushrooms-Wirkstoffe (c) Wiley-VCH

JENA. Seit fast 60 Jahren ist der Wirkstoff Psilocybin bekannt. Er verleiht den "Magic Mushrooms" ihre starke psychedelische Wirkung. Wie genau die Psilocybe-Pilze die Substanz bilden, haben jetzt Wissenschaftler um Professor Dirk Hoffmeister aus Jena aufgeklärt.

Durch gentechnologische Methoden gelang es den Forschern, die Enzyme zu identifizieren, mit deren Hilfe die Pilze ihre halluzinogenen Substanzen aufbauen, berichtet das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI). Auf Basis dieser Erkenntnisse konnten sie auch die Biosyntheseroute aufklären. Ausgehend von 4-Hydroxy-L-Tryptophan und unter Nutzung von drei der vier Pilz-Enzyme konnten die Wissenschaftler dann das Psilocybin auf einfache Weise in einer gemeinsamen Reaktion enzymatisch synthetisieren.

E.coli als Enyzmproduzent

Mithilfe des Modell-Bakteriums Escherichia coli ließen sich die zuvor identifizierten Enzyme produzieren. Auf diese Weise konnten die Forscher die Wirkstoff-Synthese im Labor rekonstruieren und Psilocybin ohne Pilzzellen herstellen. Die Wirkungsweise des Naturstoffs, der dem "Glückshormon" Serotonin ähnelt, sei weitgehend nachvollzogen, so das HKI. Die Substanz könnte möglicherweise als Psychopharmakon genutzt werden.

"Hierzulande sind `Magic Mushrooms´ zwar hauptsächlich als Freizeitdroge bekannt und haben dementsprechend ein zweifelhaftes Image. Doch das pharmazeutische Interesse am Wirkstoff Psilocybin nimmt gegenwärtig zu", wird Hoffmeister in der Mitteilung zitiert.

Ergebnisse erster klinischer Studien attestierten der Substanz Heilkräfte, berichtet das HKI. So könnten sie in einer geringen Dosis die Angst von Krebs-Patienten reduzieren oder die Symptome von Depressionen und Antriebslosigkeit lindern. (eis)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »