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Was tut sich im Gehirn, wenn Virtuosen und Hobby-Musiker Geige spielen?

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Geigenvirtuosen bestechen durch ihr schnelles, klares, ausdrucksvolles Spiel. Da kommen Hobby-Geiger nicht mit. Entscheidend sind Begabung und intensives Üben. Oder ist da noch mehr? Wissenschaftler aus Tübingen wollten das mal genauer wissen und haben ins Gehirn geschaut.

Unterscheidet sich die Gehirnaktivität eines Profi-Violinisten von der eines Amateur-Geigers? Können sich auch Hobbymusiker das Spiel auf der Geige genau vorstellen - ein bei professionellen Geigern häufig benutztes Trainingsverfahren? Und was passiert dabei im Gehirn von Musikern?

Diesen Fragen ist das Team um Privatdozent Dr. Martin Lotze vom Institut für Medizinische Psychologie der Uni Tübingen nachgegangen. Und die Forscher haben deutliche Unterschiede in den Gehirnaktivitäten von Berufsmusikern und Amateuren festgestellt ("NeuroImage" 20, 2003, 1817).

Acht Profi-Geiger und acht Hobby-Violinisten wurden mit funktioneller Kernspintomographie (fMRT) untersucht, während sie das Violinkonzert in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 216) spielten. Da es aber in der Kernspin-Röhre sehr eng und laut sei, eigne sich das fMRT nicht besonders gut für Studien, in denen es um Musik geht, so Lotze.

Um dennoch Musiker untersuchen zu können, wurde auf das Spiel mit dem tatsächlichen Instrument verzichtet. Die Musiker machten die Saiten-Greifbewegungen mit ihrer linken Hand ohne den Geigensteg.

Während der fMRT wurde mit Elektromyographie auch die Stärke der Muskelbewegungen gemessen. Hier zeigten die Profis eine signifikant höhere Aktivität der Zielmuskeln als die Amateure. Sie leisteten also effektiv mehr beim Spielen des Mozart-Konzerts. Jedenfalls, was die Muskeln angeht. Bei der Gehirnaktivierung dagegen sah das anders aus.

Bei der fMRT-Untersuchung stellten Lotze und seine Mitarbeiter fest, daß bei den Amateuren viele Gehirnregionen aktiv waren während des Geigenspiels. Bei den Berufsmusikern konzentrierte sich die Aktivität dagegen vor allem auf drei Regionen: erstens, erklärt Lotze, auf das kontralaterale primäre motorische Zentrum, das die präzise Bewegung steuert.

Zweitens auf die primäre akustische Hörrinde. Hier hat sich durch das jahrzehntelange Üben mit dem Instrument eine feste Verarbeitungsschleife gebildet, die automatisch beim Fingerspiel - auch ohne tatsächlich hörbare Musik - ein inneres Mithören aktiviert. Und drittens auf übergeordnete Areale im oberen Parietallappen, die motorische Bewegungsprogramme und sensorisches Feedback integrieren.

"Alle drei aktivierten Gehirnregionen dürften für die erhöhte Qualität der Aufführung im Gegensatz zu den unökonomisch aktivierenden Amateuren mitursächlich sein", vermutet Lotze.

Auch bei dem nur vorgestellten Spielen des Konzerts zeigen Amateure die für sie charakteristische unökonomisch weit verteilte Gehirn-Aktivierung im Gegensatz zu den Profis. Allerdings waren bei den Berufsmusikern die vorher beobachteten festen Verarbeitungsschleifen dann nicht aktiv. Dieser Weg ist wohl dem ausgeführten Spielen vorbehalten. (ug)

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