Ärzte Zeitung, 16.12.2004

Weihnachten, Fest der Einsamkeit

Psychiaterin: Ältere Männer bringen sich zwischen den Jahren besonders häufig um

BERLIN (dpa). Für viele Menschen ist Weihnachten alles andere als ein Fest der Freude. "Die Zahl älterer Menschen, die einsame Feiertage verbringen, nimmt dramatisch zu", sagte die Direktorin der Psychiatrischen Klinik der FU Berlin, Professor Isabella Heuser, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

"Es war schon immer so, daß es an Weihnachten Menschen mit Krisen gab, aber jetzt füllen sie uns die Kliniken und Betreuungseinrichtungen zwischen den Jahren bis unters Dach." Einsamkeit sei der "Nummer-Eins-Auslöser" für Depressionen. "Ältere Männer bringen sich zwischen den Jahren besonders oft um", sagte Heuser.

Auch die Zahl der Suizidversuche bei Frauen steige rapide an. Dabei bleibe das Gefühl von Einsamkeit nicht auf allein lebende Menschen beschränkt. "Man kann auch in der Familie einsam sein." Weil man an den Feiertagen verstärkt zusammen sitze und meist Alkohol fließe, kochten gerade zu dieser Zeit verstärkt Konflikte hoch - mit Gewaltakten als Folge.

Älteren und einsamen Menschen rät die Expertin, sich rechtzeitig vor den Feiertagen Gedanken um diese Zeit zu machen. Wem es an Freundschaften und Familienkontakten mangele, dem böten soziale Einrichtungen und Verbände eine Vielzahl von Möglichkeiten, Weihnachten in einer Gruppe zu verbringen. "Wer das nicht mag, kann sich einen eigenen Kreis schaffen, beispielsweise mit einem Hausfest", ermunterte Heuser zu mehr Engagement.

Es sei sehr wichtig, offensiv und mutig an die Situation heranzugehen und sich zu kümmern. Unsicheren Menschen rät die Expertin, sich bei der Herstellung erster Kontakte vom Kind oder Enkel helfen zu lassen. "Zuvor haben Sie das schließlich auch immer für sie oder ihn getan."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »