Ärzte Zeitung, 15.07.2005

Antidepressive Therapie beugt auch Schlaganfall vor

Nach Hirn- und Herzinfarkt sind Depressionen häufig

FRANKFURT AM MAIN (djb). Depressionen bei Älteren nehmen zu, Komorbidität ist die Regel. Bei der Behandlung depressiver Patienten müssen auch die Polypharmakotherapie sowie organische Erkrankungen berücksichtigt werden. Depressive Störungen können dadurch ausgelöst oder verstärkt werden.

Viele ältere Patienten mit organischen Erkrankungen haben Depressionen, wie Professor Diethard Müller aus Ilmenau erinnert hat. Nach Angaben des Neurologen und Psychiaters haben zum Beispiel 27 Prozent der Schlaganfall-Patienten, 24 Prozent der Diabetiker und 15 Prozent der über 60jährigen insgesamt depressive Störungen.

Eine Depression kann dabei sowohl ein Risikofaktor für einen Schlaganfall, als auch die Folge eines Schlaganfalls sein, so Müller bei einer Veranstaltung des Unternehmens Merz in Frankfurt am Main.

Depression birgt ein ähnlich hohes Schlaganfall-Risiko wie die Risikofaktoren Alkohol, Nikotin oder Übergewicht. Jeder dritte Schlaganfall-Patient hat in der Akutphase eine Depression und jeder zweite binnen eines Jahres nach dem Ereignis.

    Je stärker eine Depression bei Schlaganfall ist, desto höher ist das Sterberisiko.
   

Das Risiko, an einem Schlaganfall zu sterben, erhöht sich fast linear mit dem Ausmaß der Depression und jede Verringerung depressiver Symptome durch eine antidepressive Therapie kann bei Patienten mit erhöhtem vaskulären Risiko die Schlaganfall-Sterblichkeit senken, so Müller.

Nach seinen Angaben wird auch das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis durch Depressionen verdoppelt, und das Sterberisiko nach Herzinfarkt erhöht sich mit der Schwere der Depression. Nach Myokardinfarkt bekommen etwa 20 Prozent der Patienten eine Depression und weitere 25 Prozent eine subdepressive Störung.

Diabetiker entwickelten zwei- bis dreimal häufiger Depressionen als Nicht-Diabetiker. Die psychische Erkrankung sei mit verminderter Compliance, schlechter Blutzuckerkontrolle, erhöhter Morbidität und Sterberate und einer erhöhten Inanspruchnahme medizinischer Behandlung assoziiert.

Zur Behandlung bei Altersdepression seien besonders Antidepressiva mit günstigem Interaktionspotential geeignet, die keine kognitiven Einbußen verursachen, etwa der selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Reboxetin (Solvex®), sagte Müller. Die Substanz eigne sich auch gut gegen Antriebshemmung und Aufmerksamkeitsstörungen. Vorteile sieht Müller auch darin, daß die Patienten nicht zunehmen und es keine Sedierung gibt.

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