EEG fehlinterpretiert

Epilepsie wird häufig falsch diagnostiziert

Bei bis zu 25 Prozent der Patienten mit Anfällen oder Bewusstseinsstörungen wird fälschlicherweise "Epilepsie" diagnostiziert.

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DARMSTADT. Erleiden Menschen einen Krampfanfall, wird oft Epilepsie diagnostiziert - dabei liegen häufig andere Ursachen zugrunde, teilt die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) mit.

Die Gesellschaft schätzt, dass bis zu 25 Prozent der Patienten mit Anfällen oder Bewusstseinsstörungen von einer solchen Fehldiagnose betroffen sind.

Der Grund dafür sei meist eine falsche Interpretation der Hirnströme. Deshalb fordert die DGKN in einer aktuellen Stellungnahme, dass möglichst nur entsprechend geschulte klinische Neurophysiologen ein EEG auswerten sollten.

Die sogenannte Elektroenzephalografie (EEG) misst Hirnströme und zeichnet sie grafisch auf. Die Stromkurven geben Aufschluss über die Aktivität im Gehirn - und damit auch über krankhafte Veränderungen.

"Wer wenig Erfahrung in der Auswertung von EEG hat, dem fällt es schwer, verschiedene Muster voneinander zu unterscheiden", erklärt Professor Dr. med. Soheyl Noachtar, Experte der DGKN.

Im Falle von Epilepsie beispielsweise komme es nicht selten zu Verwechslungen mit Ohnmachtsanfällen, sogenannten Synkopen, oder nicht-epileptischen Anfällen bei zum Beispiel dissoziativen Störungen.

In manchen Fällen sei die Interpretation von Hirnströmen selbst für ausgewiesene Experten schwierig, stellte auch die Fachzeitschrift "Neurology" (Neurology 2013, 80, Suppl. 1) kürzlich fest.

Die US-amerikanischen Experten halten ein mindestens sechsmonatiges Training in einem neurophysiologischen Zentrum für nötig, damit ein Arzt EEGs zuverlässig auswerten kann. "Die Interpretation einer Elektroenzephalografie sollte in jeden Fall Spezialisten überlassen werden", fordert auch die DGKN.

Schließlich habe eine irrtümlich diagnostizierte Epilepsie für die Betroffenen erheblich Konsequenzen - sie erhalten unnötige Medikamente mit unter Umständen ernsthaften Nebenwirkungen.Anders als in Deutschland ist die Klinische Neurophysiologie in den USA bereits eine zertifizierte Zusatzausbildung mit abschließender Prüfung.

"Auch in Deutschland müssen Neurologen, die mit dem EEG arbeiten, besser ausgebildet werden", so Professor Dr. Soheyl Noachtar, Experte der DGKNN und Leiter des Epilepsie-Zentrums vom Klinikum der Universität München-Großhadern.

Denn das Wissen in der Medizin habe sich mittlerweile so dramatisch erweitert, dass ein Einzelner nicht mehr alle Verfahren und Techniken seines Faches gleichermaßen kompetent beherrschen könne.

"Die Interpretation eines EEGs gehört in die Hand eines qualifizierten klinischen Neurophysiologen", fordert auch Professor Dr. Detlef Claus, Vorstandsmitglied der DGKN, Darmstadt.

Die DGKN-Richtlinien sehen dafür bei ganztägiger Tätigkeit ein halbes Jahr vor. Auszubildende müssten hier mindestens 800 EEG-Kurven auswerten, darunter 200 EEGs bei Epilepsien oder epileptischen Anfällen.Entsprechende Fortbildungsangebote bietet die DGKN an.

Spezialisierte Zentren gibt es in ganz Deutschland. "Nur mit diesen zusätzlichen Qualifikationen können wir erreichen, dass das EEG kompetent betrieben wird und die derzeit noch häufigen Fehlinterpretationen verhindert werden", so Noachtar. (eb)

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