Ärzte Zeitung online, 08.02.2012

Essstörungen sind vor allem Frauensache

Frauen leiden nach einer aktuellen Studien fünfmal häufiger an Essstörungen als Männer. Meist trifft es adipöse Menschen.

LEIPZIG (eb). Eine repräsentative Studie zeigt, dass fünfmal mehr Frauen (5,9 Prozent) als Männer (1,5 Prozent) in Deutschland unter Störungen im Essverhalten leiden. Dazu zählen zum Beispiel die Bulimia nervosa, die Binge-Eating- oder Essanfallsstörung und die Anorexia nervosa.

Die Studie belegt außerdem, dass bei adipösen Frauen elfmal häufiger und bei adipösen Männern sogar 20-mal häufiger eine Störung im Essverhalten vorliegt als bei normalgewichtigen Frauen und Männern.

"Dieses deutlich erhöhte Auftreten von Störungen im Essverhalten bei adipösen Menschen ist beachtlich", wird Studienleiterin Professor Anja Hilbert vom Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen in Leipzig in einer Mitteilung der Uni Leipzig zitiert.

Daraus lasse sich schließen, dass sich weit stärker als angenommen Übergewicht und Adipositas im Zusammenhang mit Störungen im Essverhalten entwickeln und etwa mit wiederkehrenden Essanfällen, nächtlichem Essen, chronischem Überessen oder einem sehr negativen Körperbild einhergehen.

Menschen jeden Alters betroffen

Da solche Störungen im Essverhalten mit einem erhöhten seelischen Leidensdruck gekoppelt sind, wird hier auch deutlich, dass Adipositas nicht nur ein Problem von Überernährung und Bewegungsmangel ist.

Es muss auch geklärt werden, ob der Patient an einer klinischen Essstörung leidet und eine ergänzende psychotherapeutische Behandlung neben der Ernährungs- und Bewegungstherapie notwendig ist.

Neue Erkenntnisse liefert die Studie außerdem zur Häufigkeit von Essstörungen in den verschiedenen Altersgruppen. Auffällig sei hier, dass Störungen im Essverhalten Frauen und Männer jeden Alters betreffen, wobei festzuhalten ist, dass die Häufigkeiten mit höherem Lebensalter abnehmen, wird Professor Elmar Brähler, Leiter des Departments für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Leipzig zitiert.

Für die Erhebung wurde der international bewährte Essstörungsfragebogen "Eating Disorder Examina tion-Questionaire" (EDE-Q) verwendet. Dieser ermittelt die spezifischen Symptome und Verhaltensweisen, wie etwa ein negatives Körper- und Selbstbild, Unzufriedenheit mit dem Aussehen, selbst herbeigeführtes Erbrechen, Essanfälle, Missbrauch von Abführmitteln, übertriebene sport liche Aktivität oder Diäten.

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