Ärzte Zeitung online, 05.04.2017

Anorexie

Strohhalm Hirnstimulation

Ein Kommentar von Thomas Müller

Man kann es kaum glauben, dass sich Erwachsene freiwillig bis auf 20 kg herunterhungern. Ärzte und Angehörige wollen daher meist nichts unversucht lassen, um das vor ihren Augen buchstäblich dahinschwindende Leben zu retten – oft vergeblich. Denn viel hat die moderne Medizin gegen Anorexia nervosa nicht zu bieten.

Zwar können Psycho- und Familientherapien helfen, doch erfordert dies Kooperation und Krankheitseinsicht. Beides ist häufig nicht vorhanden. Als Ultima Ratio bleibt die Zwangsernährung, aber auch sie kommt oft zu spät, denn nicht wenige sterben an Herz- oder Nierenversagen, bevor sie in eine Klinik gelangen. Es überrascht daher kaum, dass sich Angehörige und Anorexiekranke an einen Strohhalm wie die tiefe Hirnstimulation (THS) klammern. Sie erzielt nach aktuellen Daten zwar bei der Hälfte überraschend gute Resultate, allerdings dürfte der Personenkreis für dieses Verfahren sehr limitiert sein, schließlich macht die THS nur dann Sinn, wenn die Patienten ohne jeden Zweifel ihre Magersucht beenden wollen, es mit anderen Methoden aber nicht schaffen.

Daher wäre, wie so oft, Prävention auch bei Anorexie am wirksamsten. Diese muss in Schulen, in den Medien, auf Plakatwänden stattfinden. Davon ist bislang aber praktisch nichts zu sehen.

Lesen Sie dazu auch:
Mögliche Therapie: Tiefe Hirnstimulation schaltet Anorexie ab

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