Ärzte Zeitung, 20.01.2004
 

Botulinum-Toxin hemmt Speichelfluß

Häufigkeit von Schlucken und Mundabwischen um etwa 50 Prozent reduziert

BERLIN (bib). Starker Speichelfluß ist ein häufiges Symptom neurodegenerativer Erkrankungen und betrifft etwa bis zu 80 Prozent der Parkinson-Patienten. Eine wirksame Therapie könnte die Injektion von Botulinum-Toxin A (BTX-A) in die Speicheldrüsen sein.

Das belegen die Ergebnisse einer Doppelblindstudie mit 32 Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen. Die Patienten erhielten alle drei Monate Injektionen mit je 18,75, 37,5 oder 75 Maus-Einheiten (MU) BTX-A oder Placebo in beide Parotiden. 25 Patienten wurden über mindestens drei und 18 über sechs Monate beobachtet (Neurology 61, 2003, 1279).

Der Speichelfluß wurde alle vier Wochen durch Wiegen einer fünf Minuten im Mund verbleibenden Watte-Rolle bestimmt. Eine im Vergleich zu Placebo deutlich verminderter Speichelfluß wurde nur mit der höchsten Dosis erreicht.

Wie die Forscher um Dr. Axel Lipp aus Berlin berichten, ging der Speichelfluß damit um etwa 50 Prozent zurück. Auch bei der Messung mit einem Zähler, der gedrückt wurde, wenn Patienten sich den Mund abwischen oder schlucken mußten, war der Effekt deutlich.

Daß viele ihre Lebensqualität nicht wesentlich gebessert sahen, erklären sich die Neurologen mit der absoluten Häufigkeit der Beschwerden: Mußten die Patienten anfangs bis zu 180 mal am Tag Speichel wegwischen oder schlucken, hatten sie das Problem jetzt immerhin noch 90mal.

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