Ärzte Zeitung, 19.06.2008

Plädoyer für Frühtherapie mit einem Dopamin-Agonisten

Halbwertszeit und Wirkdauer des Parkinson-Mittels ist nicht allein entscheidend

BEELITZ-HEILSTÄTTEN (sir). Bei Parkinson-Patienten unter 70 Jahren ist vor allem eines wichtig: Sie sollten zunächst in Monotherapie mit einem Dopamin-Agonisten behandelt werden, um Dyskinesien zu vermeiden. Bei der Wahl des Agonisten ist eine möglichst kontinuierliche dopaminerge Stimulation wichtig, aber nicht allein entscheidend.

Bei Parkinson-Patienten zögern Dopamin-Agonisten motorische Spätkomplikationen hinaus.

Foto: do

Dyskinesien, also unwillkürliche, überschießende Bewegungen oder auch Verkrampfungen, treten früher oder später bei fast jedem Parkinson-Patienten auf und wirken behindernd und stigmatisierend. Eine Ursache für die Entstehung der Dyskinesien ist offenbar die unphysiologische, pulsatile Stimulation der dopaminergen Rezeptoren bei einer Therapie mit Arzneien mit kurzer Halbwertszeit, etwa mit L-Dopa. Es muss aber noch weitere Faktoren geben. So fällt etwa auf, dass gerade jüngere Parkinson-Patienten Dyskinesien besonders früh und ausgeprägt bekommen.

Monotherapie bei Patienten unter 70 Jahren

"Auch eine deutlich kontinuierlichere Stimulation als mit L-Dopa, zum Beispiel mit Dopamin-Agonisten, ist nicht wirklich physiologisch", hat Privatdozent Georg Ebersbach von der Parkinson-Fachklinik in Beelitz-Heilstätten berichtet. Trotzdem entwickelten die Patienten bei Behandlung mit Dopamin-Agonisten seltener Dyskinesien als mit L-Dopa, sagte er auf einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim. "Parkinsonpatienten unter 70 Jahren sollten deshalb zuerst einen Dopamin-Agonisten als Monotherapie erhalten." Erst wenn dessen Wirkung nicht mehr ausreiche, solle L-Dopa als Kombipartner dazu kommen.

Ebersbach betonte, die Halbwertzeit oder Wirkdauer des Dopamin- Agonisten sei nicht das Einzige, was in der Therapie zähle. Er nannte etwa die Ergebnisse der CLEOPATRA-PD-Studie*. Patienten mit Pramipexol-Tabletten (Sifrol®) hatten darin im Vergleich zu Placebo 2,8 Stunden weniger Off-Zeiten. Bei Patienten mit einem rund um die Uhr wirksamen Rotigotin-Pflaster war die Off-Zeit im Schnitt um 2,5 Stunden reduziert. In Off-Phasen können sich die Patienten wegen nachlassender Medikamentenwirkung kaum bewegen.

Dyskinesien lassen sich um Jahre hinaus schieben

Die Wahl des geeigneten Dopamin-Agonisten sei individuell für jeden Patienten zu treffen, betonte Ebersbach. Wichtig sei nur, dass der Agonist rechtzeitig und zunächst in Monotherapie gegeben werde: Das könne das Auftreten von Dyskinesien um Jahre hinausschieben.

*CLEOPATRA-PD: Clinical Efficacy of Pramipexole And Transdermal Rotigotine in Advanced Parkinson's Disease

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »