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Mikro-RNA

Parkinson zeigt sich im Blut

Deutsche und italienische Forscher haben bei Parkinsonkranken jetzt eine charakteristische RNA-Signatur entdeckt. Künftig wäre die Diagnose also über einen Bluttest möglich - noch lange bevor die Krankheit großen Schaden anrichtet.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Kann Parkinson künftig über einen Bluttest eindeutig diagnostiziert werden?

Kann Parkinson künftig über einen Bluttest eindeutig diagnostiziert werden?

© fotoblin / fotolia.com

BOZEN/LÜBECK. Es sind drei unscheinbar kleine, aber recht stabile Mikro-RNAs, die eine Forschergruppe um Dr. Alice Serafin von den Universitäten in Bozen und Lübeck jetzt im Blut von Parkinsonpatienten aufgespürt haben (Neurology 2015, online 16. Januar).

 Die winzigen Nukleinsäuren könnten helfen, ein großes Problem zu lösen: Morbus Parkinson einfach und zuverlässig zu diagnostizieren, am besten schon, bevor es zu irreparablen Schäden kommt.

Bisher ist dies praktisch nicht möglich. Bei der Parkinsondiagnose hat die Substantia nigra bereits einen Großteil der Neurone verloren, was den Spielraum für protektive Therapien erheblich einschränkt.

Bessere Therapien erfordern also zunächst eine bessere Diagnostik.

Ob die Mikro-RNAs solchen Anforderungen genügen, muss sich zwar noch zeigen, aber immerhin testen Forscher jetzt auch ungewöhnliche Wege, um die Krankheit besser und irgendwann vielleicht auch früher nachzuweisen.

Drei miRNA überexprimiert

Das Team um Serafin hat zunächst bestimmte Mikro-RNAs (miRNA) in peripheren Mono- und Lymphozyten analysiert. miRNAs werden von den Zellen zur Genregulation eingesetzt, etwa, indem sie spezifisch bestimmte Gene stilllegen.

Obwohl sie primär im Zellkern wirken, wird ein Teil auch ins Blut sezerniert und von kernhaltigen Zellen transportiert. Im Gegensatz zu vielen anderen RNA-Spezies sind miRNA sehr stabil und können aus diesem Grund lange nachgewiesen werden.

Die Wissenschaftler um Serafin interessierten sich nun für eine Reihe von miRNAs, die an der Regulation von Parkinson-Genen beteiligt sind.

Die Idee dahinter: Eine Fehlsteuerung solcher Gene infolge des Krankheitsprozesses müsste sich auch beim miRNA-Profil bemerkbar machen und im Blut nachweisbar sein.

Sie verglichen nun das miRNA-Profil bei 36 Patienten, die alle bereits L-Dopa benötigten, bei zehn ohne bisherige medikamentöse Therapie sowie bei einer entsprechenden Zahl von gleichalten Probanden ohne Parkinson.

Bei den Parkinsonpatienten mit L-Dopa waren im Vergleich zur Kontrollgruppe die miRNA 30b-5p, 103a-3p und 29a-3p signifikant überexprimiert.

Am deutlichsten war das Signal für 103a, hier lag die Wahrscheinlichkeit für ein zufälliges Ergebnis bei 0,01 Prozent. Damit scheint diese miRNA sehr spezifisch für Parkinson zu sein.

Marker für L-Dopa-Therapie?

Allerdings könnte sie auch nur die L-Dopa-Therapie markieren, da alle Parkinsonpatienten mit dem Medikament behandelt worden waren.

Dafür spricht womöglich auch, dass sich keine signifikanten Unterschiede bei den noch unbehandelten Patienten zur Kontrollgruppe zeigten, weder bei 103a noch bei den anderen beiden miRNAs.

Da jedoch nur zehn Parkinsonpatienten ohne bisherige Therapie geprüft worden waren, war deren Zahl für ein signifikantes Ergebnis womöglich auch zu klein.

Als nächstes wäre nun zu schauen, ob die L-Dopa-Therapie die Expression der analysierten miRNAs beeinflusst, und ob es weitere miRNAs gibt, die für frühe Stadien spezifisch sind.

Dazu müsste eine deutlich größere Gruppe mit frisch diagnostiziertem Parkinson untersucht werden. Die Studienautoren vermuten, dass ihre drei untersuchten miRNAs für die Parkinsondiagnose nicht ausreichen werden.

Entdeckt man jedoch noch mehr, könnte sich ein stadienspezifischer Fingerabdruck ergeben, der auch präsymptomatische Patienten aufspürt. Eine Analyse der miRNA-Ziel-Gene würde zudem neue therapeutische Ansätze liefern.

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