Ärzte Zeitung, 04.02.2008

Therapie lohnt schon nach erstem MS-Schub

Bei frühem Therapiestart mit Interferon beta-1b entwickeln Patienten seltener eine klinisch gesicherte MS

PRAG (hem). Neue Studienergebnisse stützen die Forderung von MS-Experten nach einem möglichst frühen Start der MS-Therapie. Die Dreijahres- Daten der Studie BENEFIT* belegen, dass der Vorsprung, den MS-Kranke bei früher Therapie haben, bei einem späteren Therapiebeginn nicht mehr aufzuholen ist.

In der BENEFIT-Studie wurde die Therapie schon bei einem ersten Verdacht auf MS bei einem klinisch isolierten Syndrom (CIS) mit auffälligem MRT-Befund begonnen. Die Patienten erhielten jeden zweiten Tag Interferon beta-1b (Betaferon®) 250 μg s.c. oder Placebo.

Die Placebo-kontrollierte Behandlungsphase wurde spätestens nach 24 Monaten abgebrochen. Wenn schon vorher ein zweiter Schub auftrat oder eine MS klinisch gesichert wurde (CDMS), wurde den Studienteilnehmern allerdings gleich Verum empfohlen. Nach Abschluss des Placebo-kontrollierten Studienabschnittes hatten alle Patienten die Möglichkeit, an einer Nachbeobachtungsstudie teilzunehmen. Die initiale Verblindung wurde dabei nicht aufgedeckt.

Schon die Auswertung des Placebo-Arms nach zweijähriger Studiendauer habe interessante Aufschlüsse gebracht, so Professor Xavier Montalban aus Barcelona bei einer Veranstaltung von Bayer Schering. So entwickelten 45 Prozent der CIS-Patienten innerhalb von zwei Jahren eine CDMS (mit Verum: 28 Prozent). Legte man die McDonald-Kriterien für die MS-Diagnose zugrunde, ergab sich sogar eine Konversionsrate von 85 Prozent (mit Verum: 69 Prozent).

Dieser Vorsprung durch einen frühen Therapiestart lässt sich durch eine später eingeleitete Interferontherapie nicht mehr aufholen, belegen die Dreijahres-Daten. Eine MS nach den McDonald-Kriterien hatten nach insgesamt drei Studienjahren 85 Prozent der Patienten aus dem ursprünglichen Placebo-Arm und 74 Prozent der Patienten mit früher Interferon-Therapie. Eine klinisch determinierte MS hatten 51 Prozent der Patienten mit später Therapie, aber nur 37 Prozent der Patienten mit frühem Therapiestart.

Auch bei der Progression der Behinderungen ergab sich ein ähnlich ausgeprägter Nutzen der frühen Therapie: Bei nur 16 Prozent wurde innerhalb von drei Jahren eine Progression beobachtet, dagegen bei 24 Prozent der Patienten mit spätem Therapiestart.

BENEFIT: Betaferon in newly emerging multiple sclerosis for initial treatment. Publikation: Lancet 370, 2007, 389.

Diagnose-Kriterien zum MS-Verlauf

  • Klinisch isoliertes Syndrom (CIS): Erster klinischer MS-Schub mit positivem Befund bei Magnetresonanztomografie (MRT).
  • McDonald-Kriterien: MRT-Nachweis der Dissemination des neuronalen Schadens.
  • Klinisch determinierte Multiple Sklerose (CDMS): Mindestens ein weiterer MS-Schub, neurologische Läsionen und Zunahme des Wertes auf der Skala EDSS (Expanded Disability Status Scale) von mindestens 1,5 Punkten oder ein Gesamtwert von über 2,5 Punkten auf dieser Skala.
  • EDSS-Progression: Eine Zunahme des EDSS-Wertes um mindestens einen Punkt. Die Progression bleibt mindestens sechs Monate bestehen. (mut)

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